Everyday Omens

Einen Cent finden

Ein Cent am Boden ist kaum etwas wert, und trotzdem heben ihn viele auf. In Adolf Wuttkes Buch zum Volksaberglauben (Ausgabe von 1900) heißt es, Münzen, Hufeisen und Klee hätten ihre Kraft nur, wenn man sie zufällig findet.

Was es bedeuten kann

Das Besondere an einer gefundenen Münze ist nicht ihr Wert, sondern der Zufall. Nach altem Volksglauben verlor ein Glücksbringer seine Wirkung, wenn man ihn gezielt suchte; er musste einem in den Weg fallen. Das passt zu einer Erfahrung, die die meisten kennen: Das Schönste lässt sich selten planen. Beim Aufheben lohnt der Gedanke an etwas, das dir ohne dein Zutun zugefallen ist: eine Begegnung, eine Hilfe, eine gute Nachricht. Bei Innsbruck hätte man einen Fund an der Kreuzung liegen lassen, heute entscheidet jeder selbst.

Je nachdem, wie du es erlebt hast

Ein Cent auf dem Pflaster

Kupferfarbene Münzen schimmern auf dunklem Asphalt und fallen deshalb ins Auge. Wer einen Cent aufhebt und einsteckt, trägt nach der alten Logik einen echten Fund bei sich, kein gekauftes Glückssymbol. Ob du ihn behältst oder gleich wieder ausgibst, bleibt dir überlassen.

Geld an einer Kreuzung

Bei Innsbruck hieß es um 1870: Findet man auf einem Kreuzweg Geld, soll man es liegen lassen. Warum, sagt die Quelle nicht. Wer heute an einer Kreuzung eine Münze entdeckt, kann diese Regel als Kuriosität kennen und trotzdem frei entscheiden.

Eine fremde oder alte Münze

Findet man eine ausländische Münze oder ein Geldstück aus D-Mark-Zeiten, wird der Fund zu einer kleinen Geschichte: Wer hat sie verloren, welche Reise hat sie hinter sich? Für die alte Regel zählte allein der Zufall, nicht der Wert.

Hast du von einem Glückspfennig geträumt?Die Bedeutung im Traum, auf Night Symbols

Warum es in der Natur passiert

Kleine Münzen gehen leicht verloren: Sie rutschen aus Taschen, fallen beim Bezahlen herunter und werden selten aufgehoben, weil ihr Wert gering ist. Ein- und Zwei-Cent-Münzen bestehen aus Stahl mit einem Überzug aus Kupfer und schimmern deshalb rötlich.

Was der Volksglaube sagt

deutschsprachiger Raum, um 1900

Viele Dinge haben eine Zauberkraft nur dann, wenn sie zufällig gefunden werden, etwa Hufeisen, Münzen oder vierblättriger Klee.

Quelle: Adolf Wuttke, bearb. von Elard Hugo Meyer, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 3. Aufl. (1900), S. 145, § 203. Seite ansehen

bei Innsbruck, um 1870

Wenn man auf einem Kreuzweg Geld findet, soll man es liegen lassen.

Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 39, Nr. 319. Seite ansehen

Zum Nachdenken

Was ist dir in letzter Zeit zugefallen, ohne dass du danach gesucht hast?