Hufeisen finden
Ein gefundenes Hufeisen bringt Glück, hieß es um 1880 allgemein in Mecklenburg; man nagelte es an Tür oder Schwelle. Pommersche Schiffer schlugen ein altes, gefundenes Hufeisen sogar am Mast an, gegen den Blitz.
Was es bedeuten kann
Ein Hufeisen ist ein Gegenstand mit Geschichte: Es hat ein Pferd getragen, Wege und Felder gesehen, und dann ging es verloren. Vielleicht war gerade das gebrauchte Eisen deshalb so begehrt. Die alten Regeln sagen genau, wohin es danach gehört: an die Tür, an die Schwelle, in den Stall, an den Schiffsmast. Wer heute ein altes Hufeisen findet, fragt sich womöglich, welche Orte im eigenen Leben Schutz brauchen. Ob es wirkt, hat das Eisen nie verraten, und an der Küste hängte man es an andere Orte als im Binnenland.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Ein Hufeisen mit Nägeln
Im Erzgebirge galt um 1900 ein gefundenes Hufeisen als Glück, vor allem, wenn noch Nägel darin steckten. In Chemnitz genügte um 1700 schon ein Stück davon. Heute findet man alte Hufeisen am ehesten auf Feld- und Reitwegen oder beim Umgraben alter Gärten.
An die Schwelle genagelt
In Mecklenburg nagelte man das Fundstück an die Haustür oder an die Schwelle. In Nienhagen hieß es, mit der offenen Seite nach innen auf die Schwelle genagelt, verwehre es dem Teufel den Eintritt; in Parchim kam es an den Viehstall, gegen Hexen.
Ein Hufeisen auf See
Pommersche Schiffer nagelten ein altes, gefundenes Hufeisen vor dem großen Mast über dem Deck an, um das Schiff vor dem Blitz zu schützen; ein halbes tat dieselben Dienste. Auch hier zählte, dass es gefunden und nicht gekauft war.
Warum es in der Natur passiert
Hufeisen schützen die Hufe von Pferden vor Abnutzung und werden mit Nägeln befestigt. Sie lösen sich bei der Arbeit oder beim Ausritt und bleiben dann auf Wegen und Feldern liegen. Weil Eisen rostet, sind alte Fundstücke stark verwittert.
Was der Volksglaube sagt
Mecklenburg, um 1880
Ein gefundenes Hufeisen heißt Glück; es wird an die Tür oder an die Schwelle genagelt.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 313, Nr. 1521a–c. Seite ansehen
Nienhagen (Mecklenburg), um 1880
Ein Hufeisen, auf die Türschwelle genagelt, die offene Seite nach innen, verwehrt dem Teufel den Eintritt.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 313, Nr. 1522. Seite ansehen
Parchim (Mecklenburg), um 1880
Ein gefundenes Hufeisen, an den Viehstall genagelt, hilft gegen Hexen.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 313, Nr. 1523. Seite ansehen
Erzgebirge (Sachsen), 1909
Glück hat, wer ein Hufeisen findet, vor allem eines mit Nägeln.
Quelle: Ernst John, Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge (1909), S. 38. Seite ansehen
Chemnitz, um 1700
Wer ein Hufeisen oder ein Stück davon findet, hat Glück.
Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXXII, Nr. 129. Seite ansehen
Pommern, 1840
Um das Schiff vor dem Blitz zu sichern, nagelt man ein altes, gefundenes Hufeisen vor dem großen Mast über dem Deck an; ein halbes tut dieselben Dienste.
Quelle: J. D. H. Temme, Die Volkssagen von Pommern und Rügen (Schiffer-Meinungen und Gebräuche) (1840), S. 349. Seite ansehen
Zum Nachdenken
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