Vierblättriges Kleeblatt finden
Wer ein vierblättriges Kleeblatt fand, hatte nach einer in ganz Mecklenburg bekannten Regel um 1880 Glück. In Chemnitz hieß es schon um 1700, man solle es werthalten: Solange man es habe, werde man glückselig sein.
Was es bedeuten kann
Wer ein vierblättriges Kleeblatt sucht, schaut plötzlich ganz anders auf eine Wiese: langsam, aufmerksam, Blatt für Blatt. Vielleicht liegt darin schon ein Teil des Glücks, das man ihm zuschrieb. Die alten Regeln kümmerten sich weniger um das Finden als um das Danach: aufbewahren, mitgeben, heimlich einnähen. Mit einem Fund in der Hand liegt die Frage nahe, wem du etwas Gutes mit auf den Weg geben möchtest. Wie viel Glück in so einem Blatt steckt, entscheidet am Ende niemand außer dir.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Ein Kleeblatt für die Reise
In Lusern im Trentino nähte man um 1870 jemandem, der auf Wanderschaft ging, heimlich einen Vierklee ins Gewand: Dann sollte er Glück auf der Reise haben. Heimlich musste es sein: Die Gabe wirkte gerade dadurch, dass niemand davon wusste.
Fünf Blätter statt vier
Im Etschland sah man es nicht gern, wenn man einen Fünfklee fand: Er sollte Unglück bedeuten. Klee mit fünf Blättern kommt vor, ist aber noch seltener als der vierblättrige. Mehr ist im Volksglauben eben nicht immer besser.
Ein Kleeblatt mit Zauberkraft
In Palu im Trentino glaubte man um 1870, wer, ohne es zu wissen, einen Vierklee bei sich trägt, sehe alle Zaubereien. Der Klee war dort also weniger Glücksbringer als ein Mittel, Verborgenes zu erkennen.
Warum es in der Natur passiert
Klee hat normalerweise drei Teilblätter. Ein viertes entsteht durch eine erbliche Besonderheit, zum Teil auch durch äußere Einflüsse; deshalb findet man an derselben Pflanze manchmal mehrere. Weißklee wächst auf Wiesen und Rasen und breitet sich über Ausläufer aus.
Was der Volksglaube sagt
Mecklenburg, um 1880
Vierblättrigen Klee finden heißt Glück.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 164, Nr. 769. Seite ansehen
Chemnitz, um 1700
Wer vierblättrigen Klee findet, soll ihn werthalten; solange er ihn hat, wird er glückselig sein.
Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXXII, Nr. 119. Seite ansehen
Lusern (Trentino), um 1870
Näht man jemandem, der auf die Wanderschaft gehen will, heimlich einen Vierklee in sein Gewand, hat er Glück auf der Reise.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 107, Nr. 913. Seite ansehen
Palu (Trentino), um 1870
Wer, ohne es zu wissen, einen Vierklee bei sich hat, sieht alle Zaubereien.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 107, Nr. 914. Seite ansehen
Etschland (Südtirol), um 1870
Wenn man einen Fünfklee findet, heißt das Unglück.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 108, Nr. 924. Seite ansehen
Erzgebirge (Sachsen), 1909
Glück hat, wer ein vierblättriges Kleeblatt findet.
Quelle: Ernst John, Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge (1909), S. 38. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Wem würdest du heimlich etwas Gutes mit auf den Weg geben, wenn du könntest?