Marienkäfer landet auf mir
Ein Marienkäfer auf der Kleidung galt in Mecklenburg als Glück. Wer ihn abschüttelte oder tötete, sollte Unglück haben. Kinder ließen ihn von der Fingerspitze fliegen und baten um gutes Wetter.
Was es bedeuten kann
Ein Marienkäfer auf dem Ärmel verlangt nichts von dir außer einem Augenblick Geduld. Die alte Mecklenburger Regel setzte genau dort an: nicht abschütteln, nicht töten, ihn selbst entscheiden lassen, wann er weiterfliegt. Darin steckt eine freundliche Haltung für hektische Tage. Du kannst den kleinen Besuch zum Anlass nehmen, eine Aufgabe nicht sofort zu erledigen, sondern abzuwarten, was sich von allein ergibt. Ob Glücksbringer oder Wetterbote wie im Kinderreim: Der Käfer lässt beide Lesarten zu.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Auf der Kleidung
Bei Ludwigslust galten Marienkäfer und kleine Spinnen als glückbringend, wenn man sie auf dem Anzug eines Menschen sah. Der Käfer landet gern auf hellen, sonnenwarmen Flächen, und Kleidung gehört dazu.
Den Käfer wegschnippen
Nach einer anderen Mecklenburger Fassung stand Unglück bevor, wenn man den Käfer von der Kleidung abschüttelte oder tötete. Wer ihn krabbeln lässt, bis er von selbst abhebt, hält sich ganz nebenbei an die alte Regel.
Von der Fingerspitze fliegen lassen
Kinder in Mecklenburg ließen den Käfer auf der Hand nach oben krabbeln und sangen dabei, er solle übers Haus fliegen und für morgen gutes Wetter holen. Marienkäfer starten tatsächlich gern von einer erhöhten Spitze, deshalb klettern sie am Finger hinauf.
Viele Marienkäfer im Herbst
Im Herbst sammeln sich Marienkäfer zum Überwintern an Hauswänden und Fensterrahmen. Unter ihnen ist heute oft der Asiatische Marienkäfer, der sich in Mitteleuropa ausgebreitet hat und in vielen Farben vorkommt.
Warum es in der Natur passiert
Marienkäfer und ihre Larven fressen Blattläuse und gelten deshalb im Garten als Nützlinge. Ihre leuchtende Farbe warnt Fressfeinde: Bei Gefahr geben sie eine bitter schmeckende gelbe Flüssigkeit ab. Sie überwintern in Gruppen an geschützten Stellen, auch an Häusern.
Was der Volksglaube sagt
Ludwigslust (Mecklenburg), um 1880
Marienkäfer und kleine Spinnen gelten als glückbringende Tiere, wenn man sie auf dem Anzug eines Menschen sieht.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 184, Nr. 883a. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Sonnenkäfer an den Kleidern heißen Glück; wer sie abschüttelt oder tötet, dem steht Unglück bevor.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 184, Nr. 883b. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Kinder ließen den Marienkäfer, den man auch Sonnenkäfer oder Herrgottspferdchen nannte, von der Fingerspitze fliegen und baten ihn, übers Haus zu fliegen und gutes Wetter zu holen.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 184, Nr. 884a. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Was in deinem Alltag dürfte einmal von selbst geschehen, ohne dass du nachhilfst?