Hund frisst Gras
Wenn der Hund Gras frisst, will es regnen: So sagte man um 1867 in Oldenburg und um 1900 in Nordthüringen. In Oldenburg und im Sarganserland galt sie auch für Katzen, in Arnsberg stand sie in einem langen Reim über Regenvorboten.
Was es bedeuten kann
Ein Hund, der auf dem Spaziergang plötzlich stehen bleibt und Gras zupft, folgt einem Bedürfnis, das man von außen nicht ganz versteht. Die alten Regeln nahmen das zum Anlass, auf das Wetter zu schließen, als wüsste das Tier etwas, was Menschen noch nicht spüren. Daraus lässt sich etwas Bescheideneres machen: dem Tier seinen Moment lassen und selbst kurz innehalten. Oft sind es solche unscheinbaren Pausen auf einem Weg, in denen man wieder bemerkt, wie der Himmel aussieht und wie man sich selbst gerade fühlt. Oldenburg, Arnsberg und Nordthüringen lasen darin Regen.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Auf dem Spaziergang
Strackerjan notierte 1867 für Oldenburg schlicht: Wenn der Hund Gras frisst, will es regnen. Ganz ähnlich erwartete man in Nordthüringen Regen, sobald die Hunde Gras fraßen.
Ein langer Reim von Regenzeichen
In Arnsberg reihte ein Spruch mehrere Vorboten aneinander: Der Hund benagt das Gras, die Hausfrau klagt über Flöhe, die Sonne ist bleich, die Frösche quaken am Morgen, und der Rauch will nicht zum Schornstein hinaus. Dann sei, wie man allgemein glaube, der Regen nahe.
Wenn die Katze Gras frisst
Auch Katzen fressen gelegentlich Gras. In Oldenburg und im Sarganserland las man das ebenso: Wenn die Katze Gras frisst, gibt es Regen.
Ein Spruch von 1616
Schon ein Augsburger Wörterbuch von 1616 kannte den Zusammenhang: Wenn die Hunde Gras speien und die Frauen über Flöhe schreien, rückt nasses Wetter heran.
Warum es in der Natur passiert
Die meisten Hunde fressen hin und wieder Gras, auch gesunde Tiere. Beobachtungen zeigen, dass sie sich danach nur selten erbrechen; warum sie es tun, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Möglich ist schlicht, dass ihnen frische Halme schmecken, besonders im Frühjahr.
Was der Volksglaube sagt
Oldenburg, 1867
Wenn der Hund Gras frisst, will es regnen; dasselbe gilt, wenn die Katze Gras frisst.
Quelle: Ludwig Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg, Bd. 1 (1867), Bd. 1, S. 24, § 6. Seite ansehen
Nordthüringen, 1900
Wenn die Hunde Gras fressen, so wird Regen eintreten.
Quelle: R. Reichhardt, Volksanschauungen über Tiere und Pflanzen in Nordthüringen, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Jg. 10 (1900), S. 209. Seite ansehen
Arnsberg, 1870
Wenn der Hund das Gras benagt, die Frau über Flöhe klagt, die Sonne bleich scheint, Frösche morgens quaken und der Rauch nicht zum Schornstein hinaus will, so ist nach allgemeinem Glauben Regen nahe.
Quelle: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.), Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Bd. 2 (1870), Bd. 2, Sp. 865, Hund Nr. 1079. Seite ansehen
Henisch-Wörterbuch, Augsburg 1616
Wenn die Hunde Gras speien und die Weiber über die Flöhe schreien, so rückt nasses Wetter heran.
Quelle: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.), Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Bd. 2 (1870), Bd. 2, Sp. 867, Hund Nr. 1140. Seite ansehen
Sarganserland, 1908
Wenn die Katzen Gras fressen, so gibt es Regen.
Quelle: A. Zindel-Kressig, Sagen und Volksglauben aus dem Sarganserland, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 12 (1908), S. 279. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Wann hast du dir auf einem Weg zuletzt eine Pause gegönnt, ohne dass sie einen Zweck hatte?