Kröte im Garten
Große Kröten galten in Tirol als arme Seelen, denen man kein Leid tun sollte. Im Erzgebirge hielten manche Bauern eine Kröte dagegen für eine verwandelte Hexe. Heute ist sie im Garten ein geschützter, nützlicher Gast.
Was es bedeuten kann
Die Kröte hat es schwer: Sie ist warzig, bewegt sich langsam und taucht abends unvermittelt auf. Genau solche Tiere verband der Volksglaube mit Unheimlichem. Bemerkenswert ist, dass derselbe Glaube in Tirol zur Schonung führte: Weil man arme Seelen in ihr vermutete, sollte man ihr nichts tun. Eine Kröte im Garten kann so zur Frage werden, wie du mit dem umgehst, was dir fremd oder unschön vorkommt. Die Deutungen gehen weit auseinander, und keine verlangt, dass man sich vor ihr fürchtet.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Eine Kröte am Abend auf der Terrasse
Kröten werden mit der Dämmerung aktiv und jagen Schnecken, Käfer und Würmer. Wer abends Licht im Garten hat, entdeckt sie leichter, weil dort Insekten unterwegs sind. In Tirol hätte man sie in Ruhe gelassen, und das ist bis heute der beste Umgang mit ihr.
Kröten an Allerseelen
Bei Telfs im Oberinntal sollte man am Allerseelentag weder Frösche noch Kröten töten, weil arme Seelen in ihnen seien. Der Glaube stellte die Tiere also unter besonderen Schutz, und das im November, wenn sie sich zur Winterruhe eingraben.
Eine Kröte auf dem Feld
Mancher Bauer in Raschau glaubte, in einer Kröte auf dem Feld stecke eine Hexe, und fügte ihr deshalb Schaden zu. Heute stehen alle heimischen Amphibien unter Schutz, und eine Kröte auf dem Acker ist schlicht ein Tier auf Nahrungssuche.
Krötenwanderung im Frühjahr
An milden, feuchten Abenden im März und April wandern Erdkröten zu ihren Laichgewässern, oft über Straßen. Vielerorts stellen Freiwillige dann Schutzzäune auf und tragen die Tiere in Eimern hinüber.
Warum es in der Natur passiert
Die Erdkröte ist die verbreitetste Kröte Mitteleuropas. Tagsüber versteckt sie sich unter Steinen, Laub oder Holz, nachts geht sie auf Beutefang. Ihre Haut sondert ein Sekret ab, das Fressfeinde abschreckt. Wie alle heimischen Amphibien ist sie geschützt.
Was der Volksglaube sagt
Tirol, um 1870
Die großen Kröten, Hottlen, Hötschen oder Höppinnen genannt, sind arme Seelen oder verwünschte Leute; man soll ihnen kein Leid zufügen.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 94, Nr. 808. Seite ansehen
Telfs (Tirol), um 1870
Am Allerseelentag soll man keine Frösche und Kröten töten, weil arme Seelen darin sind.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 178, Nr. 1477. Seite ansehen
Raschau (Erzgebirge), 1862
Sieht ein Bauer auf seinem Feld eine Kröte, fügt er ihr Schaden zu, weil er glaubt, damit einer in der Kröte steckenden Hexe zu schaden.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 29, Nr. 354. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Was stößt dich zunächst ab und gewinnt, wenn du genauer hinsiehst?