Maulwurf im Garten
Wirft der Maulwurf Erde auf, kommt schlechtes Wetter, glaubte man um 1870 im Pitztal in Tirol. In Mecklenburg verhieß frühes Wühlen im Frühling dagegen milde Witterung, und im Erzgebirge zerstörte man die Hügel für eine gute Saat.
Was es bedeuten kann
Ein neuer Erdhügel im Rasen ärgert viele, bevor sie ihn verstehen. Früher las man aus ihm vor allem Hinweise: auf das Wetter, auf die Saat, im Haus sogar auf einen Todesfall. Bemerkenswert ist, wie genau man hinschaute, wann und wo der Maulwurf grub. Ein Maulwurfshügel stellt eine stille Frage: Wie gehst du mit Störungen um, die bei genauerem Hinsehen beweisen, dass der Boden lebendig ist? Im Pitztal las man Regen aus den Hügeln, in Mecklenburg mildes Wetter, und beides galt als ausgemacht.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Frische Hügel nach dem Regen
Im Pitztal hieß es, wenn der Maulwurf die Erde aufwirft, gibt es schlechtes Wetter. Bei Wetterwechsel und nach Regen graben Maulwürfe auffällig viel, weil Feuchtigkeit und Temperatur die Regenwürmer im Boden wandern lassen.
Ein Maulwurf im Frühling
In Mecklenburg las man es umgekehrt: Wirft der Maulwurf im Frühling früh auf, kommt milde Witterung. Tatsächlich graben Maulwürfe mehr, sobald der Boden auftaut und sich wieder leicht bewegen lässt.
Hügel auf dem Acker
In Marienberg im Erzgebirge zerstörte man die Maulwurfshaufen am Aschermittwoch, damit die Saat gedeihe. Heute weiß man, dass der Maulwurf Regenwürmer und Insektenlarven frisst und den Boden lockert, auch wenn seine Hügel stören.
Ein Maulwurf im Haus
In Mecklenburg hielt man es allgemein für ein Todesvorzeichen, wenn ein Maulwurf im Haus durch das Fundament hervorbrach. Mit festen Kellerböden ist so eine Begegnung heute sehr selten geworden.
Warum es in der Natur passiert
Maulwürfe verbringen nahezu ihr ganzes Leben unter der Erde und fressen vor allem Regenwürmer und Insektenlarven. Die Erde aus ihren Gängen schieben sie nach oben, so entstehen die Hügel. In Deutschland ist der Maulwurf besonders geschützt und darf weder gefangen noch getötet werden.
Was der Volksglaube sagt
Pitztal (Tirol), um 1870
Wenn der Maulwurf die Erde aufwirft, gibt es schlechtes Wetter.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 113, Nr. 987. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Wirft der Maulwurf im Frühling zeitig auf, so kommt milde Witterung.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 206. Seite ansehen
Marienberg (Erzgebirge), 1862
Man zerstöre am Aschermittwoch die Maulwurfshaufen, damit die Saat gedeihe.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 11, Nr. 86. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Bricht ein Maulwurf im Haus durch das Fundament hervor, so folgt ein Todesfall.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 125, Nr. 503a. Seite ansehen
Zum Nachdenken
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