Hund heult nachts
Ein nachts heulender Hund kündigte nach Tiroler Volksglauben um 1870 einen Todesfall in der Nachbarschaft an. Heute weiß man, dass Hunde heulen, um Kontakt aufzunehmen, und dass Sirenen oder Glocken sie oft dazu bringen.
Was es bedeuten kann
Ein Heulen in der Nacht geht durch Mark und Bein, auch wenn man weiß, woher es kommt. Früher, als Kranke zu Hause lagen und Nachrichten langsam reisten, lag es nahe, im Hund einen Boten zu sehen. Heute kann so ein Laut daran denken lassen, wer in deiner Nähe vielleicht allein ist, Mensch oder Tier. Ob du darin mehr hörst als einen Hund, der Gesellschaft sucht, ist deine Entscheidung; Tirolern, Lusernern und Mecklenburgern sagte derselbe Laut jeweils etwas anderes.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Die Schnauze nach unten oder oben
Bei Röbel in Mecklenburg achtete man um 1880 genau auf die Haltung: Steckt der heulende Hund die Schnauze in die Erde, gibt es einen Todesfall; hält er sie in die Höhe, kommt eine Braut oder ein Dieb. In Lübz las man bei Unwetter aus dem erhobenen Kopf ein Feuer.
Wenn die Sirene losgeht
Viele Hunde heulen mit, sobald eine Sirene oder Kirchenglocken erklingen. Für Hundeohren klingen diese Töne ähnlich wie Geheul, und der Hund antwortet, als wäre ein Artgenosse in der Nähe.
Vor dem Haus eines Kranken
Aus Lusern im Trentino ist um 1870 überliefert: Heulen Hunde vor einem Haus, in dem jemand krank liegt, und schauen dabei zu Boden, steht ein Todesfall bevor. Wer nachts an einem Krankenbett wacht, hört jedes Geräusch von draußen schärfer als sonst.
Ein Bellen vor dem Haus
In Innsbruck kannte man um 1870 eine verwandte Regel: Bellen Hunde ein Haus an, stirbt bald jemand darin. Hunde bellen allerdings vor allem dort, wo etwas Ungewohntes vor sich geht, bei fremden Schritten, Fahrzeugen oder anderen Tieren.
Warum es in der Natur passiert
Heulen gehört zur Verständigung von Hunden: Es hält über Entfernungen Kontakt und stärkt den Zusammenhalt. Töne wie Sirenen oder Glocken liegen in einem ähnlichen Frequenzbereich wie Geheul und können Hunde zum Mitheulen anregen. Nachts fällt das Heulen nur stärker auf, weil sonst kaum etwas zu hören ist.
Was der Volksglaube sagt
Tirol, um 1870
Heult nachts ein Hund, stirbt bald jemand in der Nachbarschaft.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 45, Nr. 383. Seite ansehen
Lusern (Trentino), um 1870
Heulen Hunde vor dem Haus, in dem ein Kranker liegt, und schauen dabei zu Boden, steht ein baldiger Tod bevor.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 45, Nr. 385. Seite ansehen
Röbel (Mecklenburg), um 1880
Heult ein Hund und steckt die Schnauze in die Erde, gibt es einen Toten; hält er sie in die Höhe, eine Braut oder einen Dieb.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 139, Nr. 618a. Seite ansehen
Lübz (Mecklenburg), um 1880
Heult ein Hund bei Unwetter mit dem Kopf nach oben, gibt es Feuer, mit dem Kopf nach unten einen Toten.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 139, Nr. 618b. Seite ansehen
Innsbruck, um 1870
Bellen Hunde ein Haus an, stirbt bald jemand darin.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 45, Nr. 384. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Wer in deiner Umgebung könnte gerade etwas Gesellschaft brauchen, auch ohne darum zu bitten?