Katze putzt sich
Putzt sich die Katze, kommt Besuch: Das sagte man um 1700 in Chemnitz, um 1860 in Marienberg und 1867 in Schwäbisch Gmünd. In Mecklenburg um 1880 und in Palu im Trentino um 1870 las man daraus dagegen Regen.
Was es bedeuten kann
Eine Katze, die sich in aller Ruhe putzt, wirkt, als bereite sie sich auf etwas vor. Daraus wurde der Gedanke, sie mache sich für Gäste zurecht. Darin steckt auch etwas für den eigenen Alltag: Wann nimmst du dir Zeit, dich zu sammeln, bevor andere kommen? Wer sich vorher kurz ordnet, ist danach offener für Besuch. Ob die putzende Katze Gäste, Freier oder bloß Regen ankündigte, hing von der Gegend ab, und wer mit einer Katze lebt, hat dazu eigene Beobachtungen.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Die Pfote hinter dem Ohr
Im Kanton Luzern hieß es 1898: Putzt sich die Katze mit dem Pfötchen hinter dem Ohr, gibt es Gäste. Im Vogtland erwartete man um 1900 sogar vornehmen Besuch, wenn sie sich mit den Pfoten über die Ohren fuhr.
Ein krummer Rücken
In Schwarzenberg im Erzgebirge zählte um 1860 auch der Katzenbuckel zu den Besuchsboten. Um 1900 hieß es im deutschsprachigen Raum allgemein, Putzen oder ein krummer Rücken melde Gäste, besonders Freier.
Regen statt Besuch
In Mecklenburg verzeichnete man um 1880: Putzen sich die Katzen viel, gibt es Regen, ganz gewiss, wenn sie Gras fressen. In Palu im Trentino sollte langes Pfotenlecken schlechtes Wetter ankündigen.
Die Hinterbeine lang
Im Vogtland achtete man um 1900 auch auf die Haltung: Streckt die Katze die Hinterbeine lang aus, kommt jemand mit einem Stecken. Wen genau man damit meinte, verrät die Quelle nicht.
Warum es in der Natur passiert
Katzen verbringen einen großen Teil ihrer wachen Zeit mit Fellpflege, bis zu einem Viertel. Die hornigen Häkchen auf ihrer Zunge kämmen lose Haare und Schmutz aus dem Fell und verteilen Speichel, der beim Verdunsten auch kühlt. Das Putzen gehört so selbstverständlich zum Katzentag wie Schlafen und Fressen.
Was der Volksglaube sagt
deutschsprachiger Raum, um 1900
Putzt sich die Katze oder macht sie einen krummen Buckel, kommen Gäste, besonders Freier.
Quelle: Adolf Wuttke, bearb. von Elard Hugo Meyer, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 3. Aufl. (1900), S. 200, § 271. Seite ansehen
Vogtland, um 1900
Fährt sich die Katze mit den Pfoten über die Ohren, kommt vornehmer Besuch; macht sie die Hinterbeine lang, kommt jemand mit einem Stecken.
Quelle: Adolf Wuttke, bearb. von Elard Hugo Meyer, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 3. Aufl. (1900), S. 200, § 271. Seite ansehen
Marienberg und Schwarzenberg, 1862
Putzt sich die Katze oder macht sie einen krummen Rücken, kommt Besuch.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 18, Nr. 201. Seite ansehen
Chemnitz, um 1700
Putzt sich die Katze, erwartet man einen Gast.
Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXX, Nr. 72. Seite ansehen
Schwäbisch Gmünd, 1867
Putzen sich die Katzen, heißt es: Wir bekommen heute noch einen Gast.
Quelle: Michael Grimm, Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Gmünd (Sitten, Gebräuche, Aberglauben, Sagen) (1867), S. 439, Nr. 16,_Gebr%C3%A4uche,_Aberglauben,_Sagen_(Gm%C3%BCnd). Seite ansehen
Kanton Luzern, 1898
Putzt sich die Katze mit dem Pfötchen hinter dem Ohr, gibt es Gäste im Haus.
Quelle: J. Bürli, Volkstümliches aus dem Kanton Luzern, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 2 (1898), S. 281. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Putzen sich die Katzen viel, gibt es Regen, gewiss, wenn sie Gras fressen.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 206, Nr. 1012. Seite ansehen
Palu (Trentino), um 1870
Putzt eine Katze lange die Pfoten, kommt schlechtes Wetter.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 113, Nr. 979. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Wie sammelst du dich, bevor du anderen Menschen begegnest, und gönnst du dir diese Zeit?