Frösche quaken
Sind die Frösche nass, regnet es nicht, sind sie trocken, kommt Regen: So las man um 1860 in Raschau und Sosa das Wetter. In Tirol verhieß frühes Quaken frühes Laub, und in Mecklenburg galt der Laubfrosch als Wetterbote.
Was es bedeuten kann
Wer an einem Frühlingsabend am Teich steht, hört ein Konzert, das sich kaum überhören lässt. Für die Menschen früher war dieses Quaken vor allem eine Auskunft über das Jahr: Kommt der Regen, sprießt das Laub, wann endet das Frühjahr? Ein Froschkonzert ist eine Gelegenheit, die Jahreszeit mit den Ohren wahrzunehmen statt mit dem Kalender. Was man daraus ableitete, klang in Raschau anders als in Nauders oder bei Schwerin und war eher Beobachtung als Weissagung.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Frösche quaken früh im Jahr
In Nauders im Tiroler Oberland hieß es: Wenn die Frösche früh quaken, wird das Laub früh ausschlagen. Beides hängt von milden Temperaturen ab, insofern hat die Regel einen wahren Kern.
Quaken am ersten Mai
Bei Schwerin galt: So lange die Frösche am Maitag schreien, so lange hören sie vor Johannis auf. Eine Rechnung, die man im Juni nachprüfen konnte und die verrät, wie aufmerksam man den Lauf des Jahres verfolgte.
Der Wetterfrosch
In Mecklenburg las man das Wetter am Laubfrosch ab: Sitzt er oben, wird es in den nächsten Tagen hell und gut, gibt es Regen, steigt er ins Wasser. Wer heute vom Wetterfrosch spricht, meint meist den Wetterbericht; der echte Laubfrosch steht unter Schutz.
Nasse und trockene Frösche
In Raschau und Sosa achtete man darauf, ob die Frösche nass oder trocken sind: Nass hieß kein Regen, trocken hieß Regen. Frösche brauchen eine feuchte Haut und verkriechen sich an trockenen Tagen, was die Beobachtung erschwert haben dürfte.
Warum es in der Natur passiert
Im Frühjahr rufen die Männchen vieler Froscharten, um Weibchen anzulocken; Grasfrösche beginnen schon im März, Wasserfrösche sind im Mai und Juni am lautesten. Viele Arten verstärken ihre Rufe mit Schallblasen. An feuchten, warmen Abenden sind die Tiere besonders aktiv und entsprechend laut.
Was der Volksglaube sagt
Raschau und Sosa, 1862
Wenn die Frösche nass sind, regnet es nicht, wenn sie aber trocken sind, kommt Regen.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 72, Nr. 829. Seite ansehen
Nauders (Tirol), um 1870
Wenn die Frösche früh quaken, wird das Laub früh ausschlagen.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 91, Nr. 781. Seite ansehen
bei Schwerin, um 1880
So lange die Frösche am Maitag schreien, so lange hören sie vor Johannis auf.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 182, Nr. 868. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Der Laubfrosch sitzt oben, wenn das Wetter in den nächsten Tagen hell und gut ist; gibt es Regen, so steigt er ins Wasser.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 206. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Woran merkst du, ohne auf den Kalender zu schauen, dass eine neue Jahreszeit beginnt?