Maus im Haus
Kommt die Feldmaus ins Haus, ist der milde Winter vorbei: So lautete um 1860 eine Wetterregel aus Marienberg im Erzgebirge. Andere Deutungen reichten vom Unglück bis zum Kinderbrauch mit dem Milchzahn.
Was es bedeuten kann
Eine Maus im Haus erinnert daran, dass die Jahreszeiten auch drinnen ankommen. Wenn es draußen kalt wird, suchen Tiere die Wärme, die uns selbstverständlich geworden ist. Vielleicht ist das der richtige Zeitpunkt, den Wechsel der Jahreszeit bewusster zu erleben und zu überlegen, was du selbst für die dunklen Monate brauchst: Wärme, Vorräte, Gesellschaft oder Ruhe. Die alten Deutungen schwanken je nach Gegend zwischen Wetterregel, Kinderbrauch und düsterem Vorzeichen.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Eine Feldmaus im Herbst
Die Marienberger Regel verband die Maus mit dem Wetter: Zieht sie ins Haus, kommt der Frost. Tatsächlich suchen Mäuse in kalten Wochen geschützte Orte. Die Regel ist also eher Beobachtung als Weissagung.
Viele Mäuse auf einmal
In Oldenburg hielt man es um 1900 für ein schlechtes Vorzeichen, wenn sehr viele Mäuse oder Ratten ins Haus kamen: Bald sollte jemand darin sterben. Heute weiß man, dass es in manchen Jahren nach milden Wintern und guter Ernte besonders viele Mäuse gibt.
Angenagte Kleider
Eine Chemnitzer Sammlung aus der Zeit um 1700 hält fest: Hat einem die Maus am Kleid genagt, so heißt das Unglück. Mäuse zernagen Stoff und Papier, um daraus Nester zu polstern. Ein angefressener Mantel im Keller ist ärgerlich, mehr aber nicht.
Ein Milchzahn fürs Mauseloch
In Lusern im Trentino warfen um 1870 Kinder einen ausgefallenen Zahn ins Mauseloch und baten: „Maus, da hast du einen alten Zahn, bring mir bald einen neuen.“ Die Maus war hier eine Helferin, keine Plage.
Warum es in der Natur passiert
Hausmäuse, im Herbst auch Wald- und Gelbhalsmäuse, suchen in Gebäuden Wärme und Nahrung. Schon eine Öffnung in Bleistiftbreite reicht ihnen zum Durchschlüpfen. Sie sind vor allem nachts aktiv, deshalb hört man sie eher, als man sie sieht.
Was der Volksglaube sagt
Marienberg (Erzgebirge), 1862
Kommt die Feldmaus ins Haus, ist der gelinde Winter aus.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 71, Nr. 789. Seite ansehen
Oldenburg, um 1900
Kommen sehr viele Mäuse oder Ratten in ein Haus, so stirbt bald jemand darin.
Quelle: Adolf Wuttke, bearb. von Elard Hugo Meyer, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 3. Aufl. (1900), S. 201, § 273. Seite ansehen
Chemnitz, um 1700
Hat einem die Maus am Kleid genagt, so heißt das Unglück.
Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXXV, Nr. 184. Seite ansehen
Lusern (Trentino), um 1870
Fällt einem Kind ein Zahn aus, wirft es ihn in ein Mauseloch und bittet die Maus um einen neuen; dann wächst bald ein neuer nach.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 8, Nr. 61. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Was brauchst du selbst, um gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen?