Nase juckt
Juckt die Nase, erfährt man bald etwas Neues: Diese Lesart war um 1880 in Mecklenburg verbreitet. In Tirol und in Schwäbisch Gmünd las man aus demselben Kribbeln ganz andere Dinge, vom Zorn bis zum Gerede.
Diese Seite beschreibt nur Volksglauben. Wenn das Gefühl immer wiederkommt oder dich beunruhigt, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Was es bedeuten kann
Was an der Nase kribbelt, lässt sich kaum übergehen, und früher erwartete man davon Nachrichten: etwas Neues, einen Gast, ein Gespräch über einen selbst. Heute kann so ein Augenblick eine kleine Frage auslösen: Auf welche Neuigkeit wartest du, und wie gehst du mit der Ungeduld um? Zwischen Neuigkeit und Zorn liegen in den alten Quellen nur ein paar Täler, und keine Fassung verpflichtet dich zu irgendetwas.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Die Nasenspitze kribbelt
In Mecklenburg las man daraus allgemein eine Neuigkeit, in Schwaan genauer: Fremde kommen. Beides hat mit Kontakt nach außen zu tun. Vielleicht wartet gerade eine Nachricht, die du selbst schreiben könntest.
Die Nase juckt innen
Im Tiroler Inntal hieß ein Beißen, also Jucken, in der Nase: Man erfährt bald eine Neuigkeit. Für ein Kribbeln innen gibt es im Alltag schlichte Anlässe wie trockene Luft. Die alte Lesart macht trotzdem neugierig auf den Tag.
Ärger in der Luft
Um 1870 galt in Flaas in Südtirol das Gegenteil einer guten Nachricht: Wem die Nase juckt, der wird bald zornig. Wer das kennt, kann den Tag mit etwas mehr Gelassenheit angehen, ganz gleich, ob das Kribbeln damit zu tun hat.
Jemand redet über dich
Aus Schwäbisch Gmünd ist überliefert: Wenn dir die Nase beißt, redet man von dir. Wie beim Ohrenklingen wurde das Kribbeln zu einem Gespräch, das woanders stattfindet.
Warum es in der Natur passiert
Die Nasenschleimhaut reagiert empfindlich auf Staub, Pollen, Kälte und trockene Heizungsluft, und auch die Haut an der Nasenspitze kann jucken. Ein kurzes Kribbeln kennt fast jeder. Woran es im Einzelfall liegt, kann nur jemand mit Fachwissen beurteilen.
Was der Volksglaube sagt
Mecklenburg, um 1880
Wenn die Nase juckt, erfährt man etwas Neues.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 313, Nr. 1528a. Seite ansehen
Schwaan (Mecklenburg), um 1880
Nasenjucken heißt, dass Fremde kommen.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 313, Nr. 1528b. Seite ansehen
Inntal (Tirol), um 1870
Beißt es einem in der Nase, so erfährt man bald eine Neuigkeit.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 27, Nr. 161. Seite ansehen
Flaas (Südtirol), um 1870
Wenn einem die Nase juckt, wird man bald zornig.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 27, Nr. 162. Seite ansehen
Schwäbisch Gmünd, 1867
Wenn einem die Nase beißt, spricht man: Man redet von dir.
Quelle: Michael Grimm, Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Gmünd (Sitten, Gebräuche, Aberglauben, Sagen) (1867), S. 439, Nr. 18,_Gebr%C3%A4uche,_Aberglauben,_Sagen_(Gm%C3%BCnd). Seite ansehen
Zum Nachdenken
Auf welche Nachricht wartest du gerade, und wie gehst du mit dem Warten um?