Auge zuckt oder juckt
Heute fragen viele nach einem zuckenden Lid, die alten Sammlungen sprechen vom juckenden Auge. In Mecklenburg stand das rechte Auge für Freude, das linke für Tränen; im Erzgebirge erwartete man Besuch.
Diese Seite beschreibt nur Volksglauben. Wenn das Gefühl immer wiederkommt oder dich beunruhigt, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Was es bedeuten kann
Augen sind im Volksglauben eng mit Gefühlen verbunden, und so wurde aus einem Jucken am Auge schnell eine Ankündigung von Lachen oder Weinen. Das Zucken, nach dem heute so oft gesucht wird, kommt in den alten Sammlungen gar nicht vor. Man kann beides als Hinweis lesen, dass gerade etwas Beachtung verlangt: ein Gefühl, das du noch nicht zugelassen hast, oder einfach Müdigkeit. Mecklenburg, Raschau und Flaas lasen das Kribbeln jeweils anders, und keine dieser Lesarten ist mehr als Überlieferung.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Das rechte Auge juckt oder zuckt
Rechts verhieß in Mecklenburg Freude. Im Zürcher Oberland sah man es weniger rosig: Juckt das rechte Auge, gibt es „etwas Ungeschicktes“ im Haushalt, also ein kleines Missgeschick. Zwei Orte, zwei Stimmungen für dieselbe Seite.
Das linke Auge juckt oder zuckt
Links standen in Mecklenburg die Tränen. Das muss nicht Trauer heißen, auch Rührung oder herzhaftes Lachen treibt einem Tränen in die Augen. Wer mag, fragt sich, wann zuletzt welche geflossen sind.
Es beißt rund um die Augen
Um 1870 hieß es in Flaas in Südtirol, wenn es einem um die Augen herum beißt, bekomme man Verdruss und weine bald. „Beißen“ war dort das gewöhnliche Wort für „jucken“. Solche Regeln machten aus einer Kleinigkeit eine Vorwarnung.
Ein Gast wird erwartet
In Raschau las man aus einem juckenden Auge, dass bald Besuch vor der Tür steht. Eine freundliche Lesart, die zu einem Anruf bei jemandem anregen kann, den man lange nicht gesehen hat.
Warum es in der Natur passiert
Ein Zucken am Lid ist eine kleine, unwillkürliche Bewegung des Lidmuskels, die man selbst deutlicher spürt, als andere sie sehen. Jucken um die Augen bemerken viele bei trockener Luft. Die Ursache im Einzelfall lässt sich nur durch eine Untersuchung herausfinden.
Was der Volksglaube sagt
Nienhagen (Mecklenburg), um 1880
Jucken des rechten Auges heißt Freude, des linken Tränen.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 313, Nr. 1526. Seite ansehen
Raschau (Erzgebirge), 1862
Wenn das Auge juckt, bekommt man Besuch.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 21, Nr. 266. Seite ansehen
Zürcher Oberland, 1857–1859
Beißt einem das rechte Auge, so gibt es etwas Ungeschicktes in der Haushaltung.
Quelle: Paul Hirzel (Sammler), Aberglauben im Kanton Zürich, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 2 (1898), S. 219, Nr. 56. Seite ansehen
Flaas (Südtirol), um 1870
Beißt es einem um die Augen herum, bekommt man Verdruss und weint bald.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 27, Nr. 160. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Welches Gefühl hast du in letzter Zeit eher weggeschoben als zugelassen?