Wenn jemand niest
Niest jemand, während ein anderer etwas erzählt, ist das Erzählte wahr: Das galt um 1880 in Mecklenburg, und in Schwäbisch Gmünd rief man dazu „Gott helf, es ist wahr“. Andere Regeln zählten, wie oft man morgens niest.
Diese Seite beschreibt nur Volksglauben. Wenn das Gefühl immer wiederkommt oder dich beunruhigt, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Was es bedeuten kann
Ein Niesen platzt mitten in ein Gespräch, und alle schauen kurz auf. Diesen Augenblick hat der Volksglaube genutzt: Das Niesen wurde zum Siegel unter einer Geschichte, zum Ja auf eine Frage, die niemand laut gestellt hatte. Heute kann es dich daran erinnern, wie sehr wir im Alltag nach Bestätigung suchen, für eine Vermutung, eine Entscheidung oder ein Gefühl. Ob ein Niesen Glück, Geschenk oder Ärger hieß, hing schon früher davon ab, wo man lebte und wie oft man nieste.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Jemand niest beim Erzählen
In Mecklenburg galt allgemein: Niest jemand, während ein anderer erzählt, ist das Erzählte wahr. In Schwäbisch Gmünd sagte man dann „Gott helf, es ist wahr“. So wurde aus einem Reflex ein Beweis, über den alle lachen konnten.
Dreimal niesen am Morgen
Wer morgens nüchtern dreimal niest, sollte in Annaberg und Sosa noch an diesem Tag ein Geschenk bekommen, in Zwickau eine Neuigkeit erfahren. In Zwickau kannte man auch den Spruch „Nüchterne Nieß, setzt Geld oder Stieß“, also Geld oder Stöße.
Einmal, zweimal, dreimal
Im Erzgebirge zählte man genau mit, wie Ernst John 1909 aufschrieb: Einmal morgens nüchtern niesen hieß in Buchholz Glück, zweimal in Kleinrückerswalde, dreimal in Pfaffroda. In Annaberg galt einmaliges und in Zinnwald dreimaliges Niesen dagegen als Unglück.
Warum es in der Natur passiert
Niesen ist ein Reflex, mit dem die Nase Staub und andere Reize loswird. Manche Menschen müssen auch niesen, wenn sie plötzlich in helles Licht schauen. Ein Niesen lässt sich kaum unterdrücken, weil der Reflex sehr schnell abläuft.
Was der Volksglaube sagt
Mecklenburg, um 1880
Wenn jemand niest, während ein anderer ihm etwas erzählt, so ist das Erzählte wahr.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 313, Nr. 1529. Seite ansehen
Schwäbisch Gmünd, 1867
Wenn man etwas erzählt und jemand niest dabei, heißt es: „Gott helf, es ist wahr“.
Quelle: Michael Grimm, Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Gmünd (Sitten, Gebräuche, Aberglauben, Sagen) (1867), S. 439, Nr. 11,_Gebr%C3%A4uche,_Aberglauben,_Sagen_(Gm%C3%BCnd). Seite ansehen
Obererzgebirge, 1862
Wer morgens nüchtern dreimal niest, bekommt den Tag über ein Geschenk (Annaberg, Sosa) oder erfährt eine Neuigkeit (Zwickau).
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 21, Nr. 268. Seite ansehen
Zwickau, 1862
„Nüchterne Nieß, setzt Geld oder Stieß“, also Geld oder Stöße.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 21, Nr. 269. Seite ansehen
Erzgebirge (Sachsen), 1909
Glück hat, wer früh nüchtern einmal (Buchholz, Zinnwald), zweimal (Kleinrückerswalde) oder dreimal (Pfaffroda) niesen muss; einmaliges (Annaberg) oder dreimaliges Niesen (Zinnwald) heißt aber auch Unglück.
Quelle: Ernst John, Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge (1909), S. 38. Seite ansehen
Zürcher Oberland, 1857–1859
Niesen am Morgen heißt Verdruss.
Quelle: Paul Hirzel (Sammler), Aberglauben im Kanton Zürich, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 2 (1898), S. 219, Nr. 57. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Wofür suchst du gerade eine Bestätigung, die eigentlich nur du dir geben kannst?