Schluckauf
Hat man Schluckauf, wird man gerade verlästert: So hieß es um 1860 in Raschau im Erzgebirge. In Chemnitz glaubte man um 1700, wer gestohlenen Käse oder gestohlenes Brot esse, bekomme Schluckauf.
Diese Seite beschreibt nur Volksglauben. Wenn das Gefühl immer wiederkommt oder dich beunruhigt, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Was es bedeuten kann
Schluckauf kommt ungefragt und lässt sich schwer abstellen, und genau das machte ihn für den Volksglauben interessant. Man suchte die Ursache draußen: bei jemandem, der gerade schlecht über einen redet, oder bei einem gestohlenen Stück Käse. Ein hartnäckiges Hicksen lässt sich mit Humor nehmen, und falls dich gerade fremdes Gerede beschäftigt, darfst du es dir bei dieser Gelegenheit eingestehen. Raschau, das Unterinntal und Chemnitz hatten jeweils ihre eigene Erklärung, und keine lässt sich prüfen.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Schluckauf aus heiterem Himmel
Wer Schluckauf hat, wird in diesem Augenblick verlästert: Das meinte man in Raschau im Erzgebirge. Wer daran denkt, merkt schnell: Das Rätselraten, wer es sein könnte, verrät mehr über die eigenen Sorgen als über die anderen.
Drei Männer mit Glatze
Im Unterinntal hieß es, der Schnaggel, wie man den Schluckauf dort nannte, höre auf, wenn man an drei kahlköpfige Männer denke. Das klingt weniger nach Regel als nach Spiel: Wer sich so etwas vorstellt, muss lachen.
Gestohlener Käse
Für Chemnitz ist um 1700 eine strengere Erklärung überliefert: Wer gestohlenen Käse oder gestohlenes Brot esse, bekomme Schluckauf. Hier wurde das Hicksen zu einer kleinen Strafe, die jeder am Tisch hören konnte.
Warum es in der Natur passiert
Schluckauf entsteht, wenn sich das Zwerchfell plötzlich unwillkürlich zusammenzieht und sich gleich danach die Stimmritze schließt; daher kommt das typische Geräusch. Er tritt bei sehr vielen Menschen gelegentlich auf, etwa nach hastigem Essen oder nach Getränken mit Kohlensäure.
Was der Volksglaube sagt
Raschau (Erzgebirge), 1862
Schlucken heißt, dass man in demselben Augenblick verlästert wird.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 21, Nr. 270. Seite ansehen
Unterinntal (Tirol), um 1870
Hat man den Schnaggel, das Schlucken, muss man an drei kahlköpfige Männer denken, dann hört er auf.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 31, Nr. 219. Seite ansehen
Chemnitz, um 1700
Wer gestohlenen Käse oder gestohlenes Brot isst, bekommt das Schlucken davon.
Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXXV, Nr. 188. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Worüber kannst du gerade schmunzeln, obwohl es sich nicht kontrollieren lässt?