Ohrenklingen links oder rechts
Klingt das rechte Ohr, redet jemand gut über dich, klingt das linke, eher schlecht: Diese Regel galt um 1860 im Erzgebirge. Andere Orte hatten andere Regeln, und fast alle kreisen um die Frage, wer gerade an dich denkt.
Diese Seite beschreibt nur Volksglauben. Wenn das Gefühl immer wiederkommt oder dich beunruhigt, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Was es bedeuten kann
Ein feiner Ton im Ohr, ein paar Sekunden lang, und schon fragt man sich, ob gerade irgendwo über einen gesprochen wird. Die alten Regeln machten aus dem Klingen ein Gespräch, an dem man selbst nicht teilnimmt. Darin steckt etwas sehr Menschliches: der Wunsch zu wissen, wie andere uns sehen. Du kannst diesen Augenblick nutzen, um zu überlegen, wessen Urteil dir gerade wichtig ist und warum. Ob rechts Lob und links Tadel heißt, darüber waren sich Erzgebirge, Mecklenburg und Tirol nicht ganz einig, und beweisen lässt sich keine Fassung.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Das rechte Ohr klingt
Rechts war im Erzgebirge wie in Mecklenburg die freundliche Seite: Jemand spricht gut von dir. Das ist ein angenehmer Gedanke für einen Augenblick. Vielleicht fällt dir dabei jemand ein, dem du selbst schon lange etwas Nettes sagen wolltest.
Das linke Ohr klingt
Links dagegen hieß: Hier wird schlecht geredet. In Annaberg kannte man ein kleines Ratespiel dazu. Man dachte an einen bestimmten Menschen, und hatte man richtig geraten, hörte das Klingen sofort auf. Wer heute dabei an jemanden denkt, merkt oft, wo noch ein Streit offen ist.
Ein Klingen ohne Seite
Schwäbisch Gmünd kannte eine schlichtere Fassung: „Es muss jemand an mich denken.“ Diese Deutung kommt ganz ohne Urteil aus. Sie passt gut zu Tagen, an denen man einen Menschen vermisst, der weit weg wohnt.
Warum es in der Natur passiert
Ein kurzes Klingen oder Pfeifen, das nach wenigen Sekunden wieder verschwindet, kennt fast jeder. Es fällt besonders in stillen Räumen auf, wo leise Töne nicht von anderen Geräuschen überdeckt werden. Was im Einzelfall dahintersteckt, kann nur eine Untersuchung klären.
Was der Volksglaube sagt
Annaberg (Erzgebirge), 1862
Denkt man beim Klingen „der oder der redet Schlimmes von mir“ und hat richtig geraten, hört das Klingen sofort auf.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 21, Nr. 267. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Klingt das rechte Ohr, wird gut von einem gesprochen, klingt das linke, schlimm.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 313, Nr. 1530. Seite ansehen
Chemnitz, um 1700
Wem die Ohren klingen, der wird belogen.
Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXX, Nr. 82. Seite ansehen
Serfaus (Tirol), um 1870
Singt es im linken Ohr, so heißt das Unglück.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 30, Nr. 196. Seite ansehen
Schwäbisch Gmünd, 1867
Wenn einem die Ohren klingen, sagt man: Es muss jemand an mich denken.
Quelle: Michael Grimm, Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Gmünd (Sitten, Gebräuche, Aberglauben, Sagen) (1867), S. 439, Nr. 17,_Gebr%C3%A4uche,_Aberglauben,_Sagen_(Gm%C3%BCnd). Seite ansehen
Zum Nachdenken
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