Weiße Flecken auf den Nägeln
Weiße Flecken auf den Nägeln galten im Erzgebirge laut einer Sammlung von 1909 als Glückszeichen. In Mecklenburg zählte man sie Finger für Finger ab, und in Lusern im Trentino nannte man sie um 1870 „Lügen“.
Diese Seite beschreibt nur Volksglauben. Wenn das Gefühl immer wiederkommt oder dich beunruhigt, sprich bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Was es bedeuten kann
Die hellen Pünktchen im Nagel entdeckt man nebenbei, beim Schreiben oder beim Händewaschen. Früher machte man daraus ein Spiel: Man zählte sie ab und las Geschenke, Liebe oder Lügen heraus. Solche Zählreime laden ein, beim Blick auf die eigenen Hände kurz innezuhalten und zu überlegen, was diese Hände gerade alles tragen und tun. Ob man in den Flecken Glück oder Schwindel sah, entschied die Gegend, und viele Familien hatten ihren eigenen Reim dafür.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Rechte oder linke Hand
In Tirol hieß es um 1870, weiße Flecken an den Nägeln der rechten Hand verhießen Glück, an der linken Unglück. In Nienhagen in Mecklenburg sah man es ähnlich: rechts Geschenke, links Unglück.
Finger für Finger
In Mecklenburg las man die Flecken nach dem Finger: auf dem Daumen Geschenke, auf dem Zeigefinger Kränkung, auf dem Mittelfinger Hass, auf dem Ringfinger Liebe und auf dem kleinen Finger Ehre. Ein anderer Gewährsmann zählte vom Zeigefinger an ab: geschenkt, gedenkt, geliebt, geehrt, gehasst.
„Lügen“ und Sünden
In der deutschsprachigen Sprachinsel Lusern im Trentino hießen die Flecken um 1870 „Lügen“: So viele man hatte, so oft sollte man gelogen haben. In Tirol rechnete man noch strenger und zählte sie als Todsünden.
Wenn die Nägel blühen
In Mecklenburg nannte man die Flecken auch „Blumen“ oder „Bloomen“, als würden die Nägel blühen. In Meran dagegen hieß es um 1870: Wenn die Nägel blühen, steht Unglück bevor. Das freundliche Bild konnte also beides bedeuten.
Warum es in der Natur passiert
Die Nagelplatte wird an der Nagelwurzel unter der Haut gebildet und schiebt sich langsam nach vorn, je nach Finger etwa einen halben bis gut einen Millimeter pro Woche. Weiße Flecken liegen dort, wo die Schichten der Nagelplatte nicht ganz miteinander verschmolzen sind, und wandern mit dem Nagel nach vorn.
Was der Volksglaube sagt
Erzgebirge (Sachsen), 1909
Glück hat der Mensch, dessen Fingernägel weiße Flecken tragen.
Quelle: Ernst John, Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge (1909), S. 38. Seite ansehen
Tirol, um 1870
Weiße Flecken an den Nägeln der rechten Hand verheißen Glück, an der linken Unglück.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 29, Nr. 191. Seite ansehen
Meran (Südtirol), um 1870
Wenn die Nägel blühen, steht Unglück bevor.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 29, Nr. 191. Seite ansehen
Tirol, um 1870
So viele weiße Tupfen auf dem Nagel, so viele Todsünden.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 29, Nr. 192. Seite ansehen
Lusern (Trentino), um 1870
Weiße Flecken an den Fingernägeln nennt man „Lügen“; so viele einer hat, so oft hat er gelogen.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 29, Nr. 193. Seite ansehen
Nienhagen (Mecklenburg), um 1880
Weiße Flecken auf den Nägeln, auch „Blumen“ genannt, verheißen an der rechten Hand Geschenke, an der linken Unglück.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 316, Nr. 1560b. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Weiße Flecken auf dem Daumen bedeuten Geschenke, auf dem Zeigefinger Kränkung, auf dem Mittelfinger Hass, auf dem Ringfinger Liebe, auf dem kleinen Finger Ehre.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 316, Nr. 1560c. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Man zählt die weißen Flecken vom Zeigefinger an ab: geschenkt, gedenkt, geliebt, geehrt, gehasst.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 316, Nr. 1560d. Seite ansehen
Zum Nachdenken
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