Wetter am Martinstag
„Wenn auf Martini Nebel sind, wird der Winter lind“: So sagte man in der Eifel und in Oberösterreich. Andere Regeln achteten zu Martini auf Frost oder auf das Laub, das noch an den Bäumen hing.
Was es bedeuten kann
Der 11. November war für Bauern ein Stichtag: Das Arbeitsjahr auf dem Feld ging zu Ende, Abgaben wurden fällig, und vor der Tür stand der Winter. Wer an diesem Tag aus dem Fenster sah, wollte wissen, worauf er sich einstellen musste. Daraus lässt sich etwas mitnehmen, auch ohne an die Regel zu glauben: An Übergängen lohnt es sich, kurz Bilanz zu ziehen und zu fragen, was man für die kommende dunkle Zeit braucht. Was der Himmel dabei verriet, legte man in der Eifel, in Solothurn und am Rhein jeweils anders aus.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Nebel am Martinstag
In der Eifel hieß es: „Wenn auf Martini Nebel sind, wird der Winter lind.“ In Oberösterreich kannte man dieselbe Regel in Mundart: „Wenn Martini Nöbel findt, wird da Winta ganz gelind.“
Frost schon vor Martini
Ein früher Frost wurde nicht als schlechtes Omen gelesen. Am Rhein versicherte man 1864, starker Frost vor dem Martinstag bringe einen gelinden Winter. In Solothurn sagte man, wenn das Eis vor Martini schon eine Gans trage, werde der Winter mild.
Das Laub hängt noch an den Bäumen
Ist zu Martini das Laub noch nicht von Bäumen und Reben gefallen, soll ein strenger Winter folgen: So verzeichnete es 1864 eine Sammlung als allgemeine deutsche Regel. Ein milder Herbst wurde hier also gegen den Winter aufgerechnet.
Der erste Schnee um den 11. November
„Der Martin kommt auf dem Schimmel geritten“, sagten Landleute nach Wanders Sprichwörter-Lexikon, wenn um diese Zeit der erste Schnee fiel. Der Schimmel stand für die erste weiße Decke auf den Feldern.
Warum es in der Natur passiert
Der Martinstag schloss früher das bäuerliche Wirtschaftsjahr ab: Pacht und Zinsen wurden fällig, Dienstboten wechselten die Stelle. Die österreichische ZAMG prüfte 2015 anhand von Messdaten aus 50 Jahren die Regel, nach der auf einen sonnigen Martinstag ein harter Winter folgt: In Innsbruck traf sie in 39, in Wien in 50, in Klagenfurt in 61 und in Salzburg in 67 Prozent der Jahre zu, also kaum verlässlicher als ein Münzwurf.
Was der Volksglaube sagt
Eifel, 1873
Wenn auf Martini Nebel sind, so wird der Winter lind.
Quelle: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.), Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Bd. 3 (1873), Bd. 3, Martin Nr. 50. Seite ansehen
Oberösterreich, 1873
„Wenn Martini Nöbel findt, wird da Winta ganz gelind“: Nebel am Martinstag verspricht einen milden Winter.
Quelle: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.), Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Bd. 3 (1873), Bd. 3, Martin Nr. 52. Seite ansehen
am Rhein, 1864
Gibt es vor Sankt Martin starken Frost, dann wird der Winter gelind.
Quelle: Otto Freiherr von Reinsberg-Düringsfeld, Das Wetter im Sprichwort (1864), S. 189. Seite ansehen
Solothurn, 1873
Friert es vor Martini so, dass das Eis eine Gans trägt, folgt ein milder Winter.
Quelle: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.), Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Bd. 3 (1873), Bd. 3, Martin Nr. 58. Seite ansehen
deutsche Bauernregel, 1864
Ist zu Martini das Laub noch nicht von den Bäumen und Reben gefallen, soll ein strenger Winter folgen.
Quelle: Otto Freiherr von Reinsberg-Düringsfeld, Das Wetter im Sprichwort (1864), S. 189. Seite ansehen
Zum Nachdenken
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