Komet am Himmel
Ein Komet am Himmel galt im Erzgebirge um 1860 als Vorbote von Krieg und Teuerung, in Mecklenburg um 1880 als Kriegszeichen. In Lusern im Trentino achtete man um 1870 auf seine Farbe: Ein roter Schein hieß Krieg, ein heller, weißer Frieden.
Was es bedeuten kann
Ein Komet steht nicht selten wochenlang am Himmel, verändert sich von Nacht zu Nacht und verschwindet wieder. Wer so etwas ohne Fernrohr und ohne Erklärung sah, suchte verständlicherweise nach einem Grund. Heute kannst du ihn als Anlass nehmen, dir die eigenen Sorgen anzusehen, die man so gern an den Himmel hängt: Welche davon gehören zu dir, welche zur großen Welt? Die Deutungen reichten von Strafe bis Frieden, je nach Ort und Glauben, und auch heute sieht jeder etwas anderes in dem hellen Schweif.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Ein roter oder ein weißer Schein
In Lusern im Trentino hieß es um 1870: Leuchtet ein Komet rötlich, kommen Krieg und Elend; ist sein Licht weiß und hell, verheißt er Frieden und Glück. Wie ein Komet wirkt, hängt allerdings auch davon ab, wie tief er steht und wie klar die Luft ist.
Über Monate sichtbar
Wirklich eindrucksvolle Kometen gibt es nur etwa zehnmal in hundert Jahren. Hale-Bopp war 1996 und 1997 mehr als 18 Monate lang mit bloßem Auge zu sehen, länger als jeder andere bekannte Komet.
Eine Strafrute am Himmel
In Tirol nannte man den Kometen um 1870 die Strafrute Gottes. Schon in der Antike und im Mittelalter sah man in Kometen häufig Schicksalsboten oder Zeichen der Götter.
Der Schweif
Der Schweif entsteht, weil Strahlung und Teilchenwind des Tagesgestirns Gas und Staub aus der Wolke um den Kern forttreiben. Darum zeigt er stets von ihm weg und wird auffälliger, je näher der Komet ihm kommt.
Warum es in der Natur passiert
Kometen sind Brocken aus Eis, Staub und lockerem Gestein, die man auch schmutzige Schneebälle nennt. Kommen sie der Sonne nahe, verdampft ein Teil des Eises, und um den Kern bildet sich eine leuchtende Gaswolke mit Schweif. Die meisten Kometen lassen sich nur im Fernrohr beobachten.
Was der Volksglaube sagt
Obererzgebirge, 1862
Ein Komet kündigt Krieg, Teuerung und überhaupt Unglück an.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 18, Nr. 186. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Erscheint ein Komet, kommt Krieg.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 202, Nr. 977. Seite ansehen
Tirol, um 1870
Der Komet ist die Strafrute Gottes.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 119, Nr. 1066. Seite ansehen
Lusern (Trentino), um 1870
An einem Kometen erkennt man kommendes Glück oder Unglück: Ein roter Schein heißt Krieg und Elend, ein weißes, helles Licht Frieden und Glück.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 119, Nr. 1067. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Welche Sorge trägst du gerade mit dir herum, die eigentlich gar nicht in deiner Hand liegt?