Everyday Omens

Viele Eicheln im Herbst

Viele Eicheln und Bucheckern lassen einen strengen Winter erwarten: So stand es 1864 in einer Sammlung deutscher Wetterregeln. Im Saterland las man aus demselben Anblick um 1867 dagegen eine gute Roggenernte im nächsten Jahr.

Was es bedeuten kann

Wenn unter einer Eiche der Boden voller Eicheln liegt, spürt man die Fülle eines Jahres fast unter den Schuhen. Die alten Regeln wollten daraus lesen, was als Nächstes kommt: Kälte, Schnee oder volle Scheunen. Die Forstwissenschaft sieht im Eichelsegen eher eine Antwort auf die Sommer der Vorjahre als auf die Monate, die noch kommen. Darin liegt ein schöner Gedanke: Was jetzt sichtbar reift, ist oft lange vorbereitet worden, auch wenn man es erst im Herbst bemerkt. In Euskirchen dachte man beim Eichelsegen an Schnee, im Saterland an Roggen, und beides war die Hoffnung von Menschen, die vom Wetter lebten.

Je nachdem, wie du es erlebt hast

Ein Teppich aus Eicheln unter dem Baum

In Euskirchen erwartete man einen kalten, schneereichen Winter, wenn Eicheln und Bucheckern gut gediehen; eine Sammlung aus Basel-Land notierte dasselbe. Wer im Herbst kaum einen Schritt gehen kann, ohne auf Eicheln zu treten, erlebt in der Regel ein sogenanntes Mastjahr.

Eicheln und Brombeeren zugleich

Im Saterland in Oldenburg deutete man die Fülle um 1867 ganz anders: Gibt es viele Brombeeren oder viele Eicheln, wird im nächsten Jahr die Roggenernte gut. Hier ging es nicht um Kälte, sondern um Brot.

Erst die Haselnüsse, dann die Eicheln

Ein Luzerner Schreibkalender für das Jahr 1763 verband zwei Bäume miteinander: Wenn die Haselnüsse gut geraten, gibt es viele Eicheln. Kalendermacher lasen aus einer frühen Ernte die nächste.

Ein Herbst fast ohne Eicheln

Nach einem reichen Jahr bleibt der Boden unter derselben Eiche oft auffallend leer. Das liegt nicht am kommenden Winter, sondern daran, dass der Baum nach einem Mastjahr Kraft sammelt.

Warum es in der Natur passiert

Eichen tragen nicht jedes Jahr gleich viel. Mastjahre mit besonders vielen Früchten kommen je nach Gegend etwa alle zwei bis acht Jahre vor. Bei der Buche hängt ein Mastjahr mit der Witterung früherer Sommer zusammen, und Spätfröste zur Blütezeit können die Ernte schmälern. Eine Vorhersage für die Kälte der nächsten Monate steckt in der Fülle nicht.

Was der Volksglaube sagt

deutsche Bauernregel, 1864

Viele Eicheln und Bucheckern lassen einen strengen Winter erwarten.

Quelle: Otto Freiherr von Reinsberg-Düringsfeld, Das Wetter im Sprichwort (1864), S. 178. Seite ansehen

Euskirchen, 1867

Wenn Eicheln und Bucheckern gut gedeihen, ist der Winter kalt und es wird viel schneien.

Quelle: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.), Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Bd. 1 (1867), Bd. 1, Sp. 764, Eichel Nr. 11. Seite ansehen

Basel-Land, 1908

Gibt es viele Eicheln und Bucheckern, gibt es einen strengen Winter.

Quelle: A. Müller (Sammler), Aus dem Volksmund und Volksglauben des Kantons Basel-Land, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 12 (1908), S. 18, Nr. 59. Seite ansehen

Saterland (Oldenburg), 1867

Gibt es viele Brombeeren oder viele Eicheln, wird im nächsten Jahr die Roggenernte gut.

Quelle: Ludwig Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg, Bd. 1 (1867), Bd. 1, S. 27, § 13. Seite ansehen

Luzerner Kalender, 1763

Wenn die Haselnüsse gut geraten, gibt es viele Eicheln.

Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Lucern, Uri, Schwiz, Unterwalden und Zug (1862), S. 559, Nr. 585. Seite ansehen

Zum Nachdenken

Was reift bei dir gerade, das du schon vor langer Zeit vorbereitet hast?