Wirbelwind und Windsbraut
Ein kleiner Wirbel hebt auf dem Feldweg Staub und Blätter hoch und ist im nächsten Moment fort. In Frankenau sagte man um 1859 schlicht, es gebe anderes Wetter; anderswo vermutete man eine Hexe darin.
Was es bedeuten kann
Ein Staubwirbel kommt ohne Ankündigung, tanzt ein paar Meter über den Acker und fällt in sich zusammen. Früher gab man ihm einen Namen und eine Absicht, weil etwas so Eigenwilliges schwer als bloßer Zufall hinzunehmen war. Darin steckt eine menschliche Neigung, die man an sich selbst kennt: Was plötzlich auftaucht und wieder verschwindet, bekommt schnell eine Geschichte. Es kann guttun, einen Augenblick nur zu staunen, bevor man deutet. Frankenau sah im Wirbel einen Wetterumschwung, Steinfurt und Oldenburg eine unheimliche Gestalt.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Eine Mütze in den Wirbel
In Nüxei im Harz glaubte man, ein Windwirbel höre auf, wenn man eine Mütze hineinwerfe. Wer heute einem Staubwirbel nachschaut, sieht ihn ohnehin schon nach wenigen Sekunden zerfallen.
Ein Messer hineinwerfen
In Uchte erzählte man um 1859, wer ein Messer in den Wirbelwind werfe, sehe plötzlich einen gewaltigen, großen Kerl daraus hervorgehen. Die Geschichte gehört zu den Sagen, die dem Wind eine Gestalt gaben.
Der Wirbel auf dem Feldweg
In Steinfurt meinte man, im Wirbelwind sitze eine böse Hexe, und spuckte hinein, wenn er vorbeibrauste, damit sie einem nichts anhaben könne. In Oldenburg schrieb man den Wirbel dem Teufel, Hexen oder einer nächtlichen Spukgestalt zu.
Anderes Wetter
Ganz nüchtern klang es in Frankenau: „Der Wind drängelt, es gibt ander Wetter.“ Hier war der Wirbel kein Spuk, sondern ein Hinweis auf einen Umschwung.
Warum es in der Natur passiert
Kleine Wirbel wie Staubteufel entstehen vor allem an sonnigen, eher ruhigen Tagen, wenn sich der Boden stark erwärmt. Die warme Luft darüber steigt auf, gerät in Drehung und reißt Staub, Laub oder Heu mit. Sie sind viel kleiner als Tornados und fallen nach Sekunden bis Minuten wieder in sich zusammen.
Was der Volksglaube sagt
Uchte, 1859
Wirft man in den Wirbelwind ein Messer, so wird plötzlich ein gewaltiger, großer Kerl daraus.
Quelle: Adalbert Kuhn, Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen, Th. 2 (1859), Th. 2, S. 93, Nr. 288. Seite ansehen
Nüxei (Harz), 1859
In einen Windwirbel muss man eine Mütze werfen, dann hört er auf.
Quelle: Adalbert Kuhn, Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen, Th. 2 (1859), Th. 2, S. 93, Nr. 289. Seite ansehen
Steinfurt, 1859
Im Wirbelwind sitzt eine böse Hexe; man muss hineinspucken, wenn er vorbeibraust, damit sie einem nichts anhaben kann.
Quelle: Adalbert Kuhn, Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen, Th. 2 (1859), Th. 2, S. 93, Nr. 290. Seite ansehen
Frankenau, 1859
Bei einem Wirbelwind sagt man: „Der Wind drängelt, es gibt ander Wetter.“
Quelle: Adalbert Kuhn, Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen, Th. 2 (1859), Th. 2, S. 93, Nr. 291. Seite ansehen
Oldenburg, 1867
Der Wirbelwind kommt vom Teufel oder von Hexen; auch eine nächtliche Spukgestalt, die Walriderske, soll darin fahren.
Quelle: Ludwig Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg, Bd. 2 (1867), Bd. 2, S. 65, § 337. Seite ansehen
Zum Nachdenken
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