Hof um den Mond
Hat der Mond einen Hof, kommt Regen: So sagte man um 1870 in Tirol und um 1880 in Mecklenburg. In dieser Regel steckt ein wahrer Kern, denn der Ring entsteht in hohen Eiswolken, die oft einer Warmfront vorausziehen.
Was es bedeuten kann
Ein Ring um den Mond ist eines der wenigen Himmelsbilder, die tatsächlich etwas ankündigen können, wenn auch ohne Gewissheit. Er lädt dazu ein, auf leise Vorboten zu achten, statt erst den Sturm zu bemerken. Gibt es gerade etwas in deinem Umfeld, das sich langsam ankündigt: ein Gespräch, eine Veränderung, eine wachsende Spannung? Ob Regen, Frost oder Unwetter folgen sollte, sagten Tirol und die Mecklenburger Dörfer verschieden, und jeder Mensch liest in dem Ring heute womöglich etwas Eigenes.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Ein großer, weiter Ring
In Warlow bei Ludwigslust hieß es um 1880: Hat der Mond einen großen Hof, kommt Unwetter. Der häufigste Ring liegt etwa 22 Grad vom Mond entfernt und wirkt damit überraschend groß.
Ein Hof in einer kalten Nacht
Bei Serrahn in Mecklenburg erwartete man nach einem Mondhof nicht Regen, sondern Frostwetter. Ob Regen, Schnee oder Frost folgt, hängt von Jahreszeit und Wetterlage ab.
Ein Ring um die Sonne
In Ribnitz an der Ostsee hielt man den Mondring für harmlos, den Ring um die Sonne aber für gefährlich: Er sollte manchen um Frau und Kind bringen. Beide Ringe entstehen auf dieselbe Weise in Eiswolken; am Tag werden sie leicht von der Sonne überstrahlt.
Am nächsten Tag
Zwischen einem Halo und einem Wetterumschwung liegen nach dem Bergmagazin Bergwelten in der Regel ein bis zwei Tage. Ein Ring kann aber auch bei stabilem Wetter auftreten, wenn nur ein dünner Schleier aus Eiswolken durchzieht.
Warum es in der Natur passiert
Der Ring entsteht, wenn Mondlicht in sechseckigen Eiskristallen gebrochen wird, die in dünnen Schleierwolken in etwa fünf bis dreizehn Kilometern Höhe schweben. Solche Wolken kündigen nicht selten eine Warmfront an, daher folgt nach einem Hof eher Regen oder Schnee. Sicher ist das aber nicht.
Was der Volksglaube sagt
Tirol, um 1870
Hat der Mond einen Hof, kommt Regen.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 113, Nr. 980. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Hat der Mond einen Ring oder Hof, kommt Regen.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 200, Nr. 963a. Seite ansehen
bei Serrahn (Mecklenburg), um 1880
Hat der Mond einen Hof, gibt es Frostwetter.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 200, Nr. 963b. Seite ansehen
Warlow bei Ludwigslust, um 1880
Hat der Mond einen großen Hof, wird es Unwetter geben.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 200, Nr. 963c. Seite ansehen
Ribnitz (Mecklenburg), um 1880
Ein Ring um den Mond ist nichts, ein Ring um die Sonne aber nimmt manchem Frau und Kind.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 200, Nr. 964. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Welche leisen Vorboten nimmst du gerade wahr, bevor sich etwas in deinem Alltag deutlich verändert?