Grüne Weihnachten, weiße Ostern
„Grüne Weihnachten, weiße Ostern“ war um 1880 überall in Mecklenburg geläufig, und Tirol kannte um 1870 auch die Umkehrung: „Weiße Weihnachten, grüne Ostern“. Ein mildes Weihnachtsfest ist dabei eher die Regel als die Ausnahme.
Was es bedeuten kann
Wer sich weiße Weihnachten wünscht und Regen bekommt, findet in dieser Regel einen kleinen Trost: Der Winter holt nach, vielleicht erst zu Ostern. Dahinter steht die Erfahrung, dass das Jahr seine eigene Ordnung hat und sich nicht nach Festtagen richtet. Auch auf Erwartungen, die an einen bestimmten Tag gebunden sind, passt dieser Gedanke. Ob grüne Weihnachten Gutes oder Schlechtes verhießen, beurteilten Mecklenburg, das Inntal und das Etschland ganz verschieden.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Regen statt Schnee an Heiligabend
In Mecklenburg sagte man allgemein: „Grüne Weihnacht, weiße Ostern.“ Ein milder Heiligabend war also kein schlechtes Omen, nur ein Hinweis, dass der Winter später kommen könnte.
Schnee an Weihnachten
In Tirol kannte man die Regel in beide Richtungen: „Grüne Weihnachten, weiße Ostern“, aber auch „Weiße Weihnachten, grüne Ostern“. So hatte jeder Winter eine passende Antwort.
Nasse Weihnachten
„Sind die Weihnachten feucht und nass, gibt’s leere Stadel und leere Fass“: Dieser Spruch war um 1870 in Tirol verbreitet. Windige Weihnachten dagegen sollten im Inntal ein gutes Obstjahr verheißen.
Frost und klarer Himmel
Für das Etschland in Südtirol ist um 1870 belegt: Ein frostiger, klarer Weihnachtstag sollte ein gutes Weinjahr verheißen. In Mecklenburg achtete man am Weihnachtsmorgen darauf, ob Tropfen am Zaun hingen; dann sollte es ein gutes Flachsjahr geben.
Warum es in der Natur passiert
In knapp sieben von zehn Jahren führt das sogenannte Weihnachtstauwetter zwischen dem 24. und 29. Dezember milde, feuchte Atlantikluft nach Mitteleuropa, die Schnee im Flachland und vielfach auch in den Mittelgebirgen schmelzen lässt. Ostern liegt je nach Jahr zwischen Ende März und Ende April, und gerade bei frühem Termin ist Schnee noch gut möglich.
Was der Volksglaube sagt
Mecklenburg, um 1880
Grüne Weihnacht, weiße Ostern.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 229, Nr. 1192. Seite ansehen
Tirol, um 1870
Grüne Weihnachten, weiße Ostern; weiße Weihnachten, grüne Ostern.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 198, Nr. 1612. Seite ansehen
Tirol, um 1870
„Sind die Weihnachten feucht und nass, gibt’s leere Stadel und leere Fass.“
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 198, Nr. 1615. Seite ansehen
Inntal (Tirol), um 1870
Auf windige Weihnachten folgt ein gutes Obstjahr.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 198, Nr. 1613. Seite ansehen
Etschland (Südtirol), um 1870
Sind die Weihnachten gefroren und klar, folgt ein gutes Weinjahr.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 198, Nr. 1614. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Hängen am Weihnachtsmorgen Tropfen am Zaun, gibt es ein gutes Flachsjahr.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 229, Nr. 1191. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Welchen Wunsch hast du an einen bestimmten Tag gebunden, der vielleicht zu einer anderen Zeit besser passt?