Lichtmess und das Wetter
Ist der Lichtmesstag Anfang Februar trüb, gibt es reichlich zu essen, ist er hell, droht Mangel: So reimte man um 1860 in Grünstädtel im Erzgebirge. Die Altmark sah es umgekehrt: Lichtmess hell und klar gibt ein gutes Kornjahr.
Was es bedeuten kann
Der Lichtmesstag Anfang Februar liegt mitten im Winter, und doch merkt man schon, dass die Tage länger werden. Die alten Wetterregeln für diesen Tag widersprechen sich auffällig: Mal galt ein heller Tag als gut, mal als schlecht. Gerade darin liegt ihr Reiz, denn sie verraten, wie sehr Menschen in der dunkelsten Zeit nach einem Hinweis suchten, ob der Winter bald nachlässt. Für dich kann der Tag ein Zwischenhalt im Winter sein, an dem du kurz zurückschaust. Welche Regel stimmt, darüber hätten Grünstädtel und die Altmark lange streiten können.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Ein trüber Lichtmesstag
In Grünstädtel im Erzgebirge reimte man: „Dunkle Lichtmessen bringt reichlich Essen.“ In Raschau durfte der Schäfer bei trübem Wetter vier Wochen früher austreiben, bei Sonnenschein musste er vier Wochen länger zu Hause bleiben.
Ein heller Lichtmesstag
In Zöblitz hieß es, der Schäfer sehe an Lichtmess lieber den Wolf im Stall als den Sonnenschein. In der Altmark dagegen freute man sich: Scheint an Lichtmess die Sonne auch nur einen Augenblick, gedeihen im Jahr die Bienen gut.
Lichtmess in Tirol
In Stockach im Lechtal fürchtete man Sonnenschein um Lichtmess, er verheiße arges Wetter und Heunot. Für Bauern, deren Heuvorrat bis zum Frühling reichen musste, war die Frage entscheidend, wie lange die Kälte anhält.
Warum es in der Natur passiert
Anfang Februar werden die Tage merklich länger, doch der Winter ist noch nicht vorbei. Klare, sonnige Wintertage entstehen oft bei Hochdruck mit kalter Luft und frostigen Nächten, trübe Tage eher bei milderer, feuchter Luft. Das mag erklären, warum mancherorts ein heller Lichtmesstag als Hinweis auf einen langen Winter galt.
Was der Volksglaube sagt
Grünstädtel (Erzgebirge), 1862
Ist Lichtmess dunkel, gibt es reichlich Essen; ist es hell, kommt Mangel.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 69, Nr. 714. Seite ansehen
Raschau (Erzgebirge), 1862
Ist es zu Lichtmess trüb, kann der Schäfer vier Wochen eher austreiben; scheint die Sonne, muss er vier Wochen länger zu Hause bleiben.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 69, Nr. 716. Seite ansehen
Zöblitz (Erzgebirge), 1862
Der Schäfer sieht zu Lichtmess lieber den Wolf im Stall als den Sonnenschein.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 69, Nr. 717. Seite ansehen
Altmark, 1839
Scheint an Lichtmess die Sonne auch nur einen Augenblick, gedeihen die Bienen gut; dazu der Vers: „Lichtmessen hell und klar, giebt ein gutes Kornjahr, Lichtmessen dunkel, macht den Bauern zum Junker.“
Quelle: J. D. H. Temme, Die Volkssagen der Altmark (Abergläubische Meinungen und Gebräuche in der Altmark) (1839), S. 84. Seite ansehen
Stockach (Tirol), um 1870
Wenn um Lichtmess die Sonne scheint, kommt arges Wetter und Heunot.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 132, Nr. 1177. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Was hat dich durch die letzten Wochen getragen, und was brauchst du für den Rest des Winters?