Die Eisheiligen
Erst nach den Eisheiligen Mitte Mai sollen die Nachtfröste den Pflanzen nicht mehr schaden: Darin waren sich das Erzgebirge um 1860 und das Inntal um 1870 einig. Wer Gemüse zieht, wartet bis heute oft so lange mit empfindlichen Pflanzen.
Was es bedeuten kann
Die Eisheiligen gehören zu den wenigen alten Wetterregeln, nach denen sich bis heute viele richten. Sie halten eine einfache Erfahrung fest: Ein warmer Frühling kann täuschen, und wer zu früh pflanzt, riskiert die Ernte. Das lässt sich gut auf anderes übertragen. Vielleicht gibt es gerade ein Vorhaben, das du gern sofort beginnen würdest, das aber noch ein paar Tage Geduld verträgt. Welche Heiligen genau zu den Eisheiligen zählen und wie streng die Regel gilt, darüber sind sich die Regionen bis heute nicht einig.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Gemüse pflanzen nach den Eisheiligen
Tomaten, Gurken, Bohnen und Kürbisse vertragen keinen Frost. Darum warten viele mit dem Auspflanzen bis nach Mitte Mai. In Raschau hieß es schon um 1860: Nach Pankraz und Servaz schaden die Nachtfröste den Früchten nicht mehr.
Regen an den Eisheiligen
Am Horgerberg bei Zürich achtete man auch auf Regen: Regnet es am Pankratiustag, gibt es keine Birnen, regnet es am Servatiustag, keine Äpfel. Hier ging es also nicht um Frost, sondern um die Obsternte des Jahres.
Kalte Nächte trotz warmer Tage
Im Inntal hieß es: „Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bis dass herein Servatius bricht.“ Gerade nach warmen Tagen kann eine klare Nacht überraschend kalt werden, weil der Boden seine Wärme ungehindert abstrahlt.
Warum es in der Natur passiert
Mitte Mai liegen die Gedenktage von Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai) und Bonifatius (14. Mai); in manchen Gegenden zählen auch Mamertus (11. Mai) und die „kalte Sophie“ (15. Mai) dazu. In dieser Zeit kann kalte Polarluft nach Mitteleuropa vordringen und in klaren Nächten Bodenfrost auslösen. Solche Kälterückfälle kommen aber nicht jedes Jahr pünktlich.
Was der Volksglaube sagt
Inntal (Tirol), um 1870
Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bis dass herein Servatius bricht.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 155, Nr. 1318. Seite ansehen
Inntal (Tirol), um 1870
Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind die drei größten Lostage; danach schadet der Reif nicht mehr.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 155, Nr. 1319. Seite ansehen
Raschau (Erzgebirge), 1862
Nach Pankraz und Servaz schaden die Nachtfröste den Früchten nicht mehr.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 70, Nr. 743. Seite ansehen
Horgerberg (Zürich), 1898
Regnet es am Pankratiustag, gibt es keine Birnen, regnet es am Servatiustag, keine Äpfel.
Quelle: Paul Hirzel (Sammler), Aberglauben im Kanton Zürich, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 2 (1898), S. 222, Nr. 79. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Welches Vorhaben würdest du gern sofort beginnen, obwohl es noch etwas Geduld vertragen könnte?