Schwarze Katze läuft über den Weg
Kreuzte eine schwarze Katze den Weg, galt das im Erzgebirge und im Kanton Luzern als Unglück. In Mecklenburg dagegen sollte eine schwarze Katze im Haus Glück bringen. Es kommt also darauf an, wo man ihr begegnet.
Was es bedeuten kann
Die schwarze Katze ist wohl das bekannteste Vorzeichen überhaupt, und gerade deshalb lohnt ein zweiter Blick. Dieselbe Katze, die auf der Straße Unglück verheißen sollte, galt in Mecklenburg im Haus als Glück. Der Unterschied liegt also nicht im Tier, sondern in der Lage: unterwegs, wo man Unvorhergesehenes fürchtet, oder daheim, wo man sich sicher fühlt. Wenn dir eine schwarze Katze begegnet, kannst du dich fragen, mit welchem Gefühl du gerade unterwegs bist. Lesarten gab es viele, verbindlich ist keine.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Von links oder von rechts?
Heute wird oft gefragt, ob es auf die Richtung ankommt. In den alten Sammlungen aus dem Erzgebirge und aus Luzern steht bei der Katze keine Richtung: Es zählt nur, dass sie über den Weg läuft. Genaue Links-rechts-Regeln wurden vor allem für Hasen aufgeschrieben.
Eine schwarze Katze im Haus
Nach einer Mecklenburger Regel sollten schwarze Tiere im Haus oder auf dem Hof Glück bringen, die Katze ebenso wie andere. Wer mit einer schwarzen Katze lebt, kennt das: Für die Familie ist sie einfach die Katze, und Glück heißt hier Gesellschaft.
Nachts auf der Straße
Nachts sind Katzen besonders viel unterwegs, und eine schwarze sieht man erst im letzten Augenblick. Der Schreck, wenn sie aus dem Dunkel über die Straße huscht, macht verständlich, warum man sie mit Gefahr verband. Wer Auto oder Rad fährt, hat in diesem Moment ganz praktische Gründe, aufmerksam zu sein.
Warum es in der Natur passiert
Katzen streifen bevorzugt in der Dämmerung und in der Nacht umher. Sie überqueren Wege, weil ihre Reviere quer durch Gärten und über Straßen verlaufen. Die schwarze Fellfarbe ist bei Hauskatzen weit verbreitet und hat mit dem Wesen der Katze nichts zu tun.
Was der Volksglaube sagt
Obererzgebirge, 1862
Eine über den Weg laufende Katze, besonders eine schwarze, heißt Unglück.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 18, Nr. 200. Seite ansehen
Kanton Luzern, 1898
Läuft einem ein Hase quer über den Weg, so steht ein Unglück bevor; dasselbe sagte man von schwarzen Katzen.
Quelle: J. Bürli, Volkstümliches aus dem Kanton Luzern, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 2 (1898), S. 281. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Ein schwarzer Hund, eine schwarze Katze oder ein schwarzer Hahn im Haus oder auf dem Hof sollen Glück bringen.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 137, Nr. 609. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Mit welchem Gefühl bist du heute unterwegs, und was könnte dich dabei aus dem Gleichgewicht bringen?