Einen Fuchs sehen
Ob ein Fuchs Glück oder Pech bringt, darüber war man sich nie einig. Im Tiroler Lechtal hieß eine Begegnung am Morgen Unglück, bei Horgen am Zürichsee verhieß sein Bellen im Sommer guten Wein.
Was es bedeuten kann
Ein Fuchs bleibt kurz stehen, schaut herüber und ist im nächsten Augenblick verschwunden. Diese kurze Begegnung wirkt besonders, weil wildes Leben so nah an unseren Wegen selten geworden ist. Die alten Regeln waren sich nicht einig, ob das Glück oder Unglück heißen sollte, und genau das macht sie ehrlich: Die Begegnung selbst ist offen. Du kannst sie nutzen, um zu bemerken, wie viel draußen geschieht, während du mit dem Kopf woanders bist.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Ein Fuchs kreuzt morgens den Weg
Wer im Lechtal morgens einem Fuchs begegnete, rechnete mit einem schlechten Tag. In der Morgendämmerung sind Füchse viel unterwegs, auf dem Rückweg von der nächtlichen Suche nach Futter. Die Tageszeit, auf die der Glaube achtete, ist also schlicht ihre aktivste Zeit.
Stadtfüchse und Besuch im Garten
Füchse leben heute in vielen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie finden Nahrung in Komposthaufen, Verstecke unter Hecken und Gartenhäusern und gehen Menschen aus dem Weg. Wer einen im Garten sieht, erlebt eher den Wandel unserer Städte als ein Vorzeichen.
Ein Fuchs bellt in der Nacht
Füchse bellen und kreischen vor allem im Winter, zur Paarungszeit. Bei Horgen hörte man ihr Bellen im Sommer dagegen gern: Es sollte einen guten Wein verheißen. Solche Regeln waren eng mit dem Arbeitsjahr der Bauern und Winzer verbunden.
Warum es in der Natur passiert
Der Rotfuchs ist in ganz Mitteleuropa verbreitet und sehr anpassungsfähig. Er frisst Mäuse, Insekten, Früchte und Abfälle und ist vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Seit Jahrzehnten leben Füchse auch in Städten, wo sie Gärten, Friedhöfe und Bahndämme nutzen.
Was der Volksglaube sagt
Lechtal (Tirol), um 1870
Begegnet einem morgens ein Fuchs, so heißt das Unglück.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 91, Nr. 782. Seite ansehen
Horgerberg (Zürich), 1898
Hört man im Sommer Füchse bellen, so gibt es guten Wein.
Quelle: Paul Hirzel (Sammler), Aberglauben im Kanton Zürich, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 2 (1898), S. 222, Nr. 78. Seite ansehen
damaliges Ostpreußen, um 1900
Läuft jemandem ein Wolf oder ein Fuchs über den Weg, so heißt das Glück, bisweilen aber auch Unglück.
Quelle: Adolf Wuttke, bearb. von Elard Hugo Meyer, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 3. Aufl. (1900), S. 200, § 271. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Welche Begegnung draußen hat dich zuletzt kurz innehalten lassen, und was hast du dabei bemerkt?