Schlange im Garten
In Absam in Tirol galten Hausnattern als Glücksbringer, besonders wenn man sie „singen“ hörte. Wer dagegen eine Hausotter tötete, sollte in Münster im Unterinntal noch im selben Jahr sterben.
Was es bedeuten kann
Eine Schlange im Garten löst bei den meisten zuerst Abwehr aus. In Tirol sah man das zum Teil ganz anders: Die Natter am Haus war eine Mitbewohnerin, die man schützte und deren Anwesenheit Glück verhieß. Zwischen Angst und Achtung liegt oft nur das Wissen, wer da eigentlich durchs Gras gleitet. Eine solche Begegnung macht deutlich, wie viel von unserer Scheu auf Bildern beruht und wie wenig auf eigener Erfahrung. Glücksbringer in Absam, unheimliche Begleiter im Sommerwald von Raschau: Die alten Bilder der Schlange widersprechen einander.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Eine Natter am Haus
In Absam galten Hausnattern als Glücksbringer, und ein besonders gutes Vorzeichen war es, wenn sie „sangen“. Was genau mit diesem Singen gemeint war, sagt die Quelle nicht. Sicher ist: Wer die Natter am Haus duldete, ließ sie in Frieden ihre Mäuse jagen.
Eine Schlange töten
In Münster im Unterinntal hieß es, wer eine Hausotter tötet, sterbe noch im selben Jahr. Der Glaube schützte die Tiere wirkungsvoll. Heute übernimmt das der Naturschutz: Alle heimischen Schlangen stehen unter Schutz.
Eine Schlange im Sommerwald
Aus Raschau stammt die Vorstellung, wer im Sommer im Wald Butter auf dem Brot hat, dem ziehen die Ottern nach. Ein hübsches Bild, aber Schlangen fressen keine Butter, sondern Mäuse, Frösche und Eidechsen.
Ringelnatter am Gartenteich
Die Ringelnatter erkennt man an den hellen, halbmondförmigen Flecken am Hinterkopf. Sie schwimmt gut, jagt Frösche und ist für Menschen ungiftig. Wer sie am Gartenteich sieht, hat einen naturnahen Garten.
Warum es in der Natur passiert
In Gärten sind am ehesten Ringelnattern oder Schlingnattern unterwegs, beide ungiftig. Die giftige Kreuzotter lebt eher in Mooren, Heiden und im Bergland. Häufig wird auch die Blindschleiche für eine Schlange gehalten, sie ist aber eine Echse ohne Beine.
Was der Volksglaube sagt
Absam (Tirol), um 1870
Die Hausnattern bringen Glück; ein sehr gutes Vorzeichen ist es, wenn sie singen.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 95, Nr. 826. Seite ansehen
Münster (Tirol), um 1870
Wer eine Hausotter tötet, stirbt noch im nämlichen Jahr.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 95, Nr. 820. Seite ansehen
Raschau (Erzgebirge), 1862
Hat man im Sommer im Wald Butter auf dem Brot, so ziehen einem die Ottern nach.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 31, Nr. 396. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Man glaubte, Schlangen paarten sich mit Enten und saugten den Kühen die Milch aus.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 182, Nr. 866. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Welche deiner Ängste beruhen eher auf Bildern als auf eigener Erfahrung?