Bild fällt von der Wand
Fällt ein Bild von der Wand, bedeutet das Unglück, hieß es um 1870 in Ambras bei Innsbruck. Fiel in Schwarzenberg im Erzgebirge etwas von der Wand, fürchtete man einen Todesfall unter Verwandten, besonders an Heiligabend und Silvester.
Was es bedeuten kann
Ein lauter Knall in der Nacht, und am Morgen liegt ein Bild auf dem Boden: Das erschreckt, weil es ohne sichtbaren Anlass geschieht. Der Volksglaube füllte diese Lücke mit Bedeutung, und zwar meist mit einer düsteren. Ein heruntergefallenes Bild lädt dazu ein, das Motiv noch einmal genau anzusehen: Wen oder was zeigt es, und hat es in deinem Leben noch denselben Platz? Die alten Deutungen sagen mehr über die Ängste von damals als über Nägel und Schnüre, und in Ambras klangen sie anders als in Schwarzenberg.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Ein Familienfoto fällt herunter
Wenn ein Bild mit Angehörigen herunterfällt, liegt der Gedanke an diese Menschen nahe. In Schwarzenberg im Erzgebirge verband man das Fallen von der Wand mit einem Todesfall unter Verwandten. Heute kann man es einfach als Anlass nehmen, sich bei den Abgebildeten zu melden.
Ein Bild fällt nachts
In Schwarzenberg im Erzgebirge galt die Regel besonders an Heiligabend und Silvester. In stillen Nächten hört man den Aufprall deutlicher, und man liegt länger wach, weil man den Grund nicht sieht. Am Morgen findet man oft einen gerissenen Faden oder einen gelockerten Nagel.
Das Weihwasserkrüglein fällt
In Tirol hieß es: Fällt das Weihbrunnkrüglein von der Wand, kommt Unglück ins Haus. Gerade Gegenstände, die Schutz versprechen sollten, wurden besonders aufmerksam beobachtet.
Warum es in der Natur passiert
Bilder hängen an Nägeln, Haken oder Schnüren, die mit der Zeit nachgeben. Wechselnde Temperaturen und Luftfeuchtigkeit lassen Wände, Dübel und Rahmen arbeiten; auch Erschütterungen durch Türen oder Verkehr tragen dazu bei. Irgendwann reicht ein kleiner Ruck, und das Bild fällt.
Was der Volksglaube sagt
Ambras (Tirol), um 1870
Wenn ein Bild von der Wand fällt, heißt das Unglück.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 33, Nr. 249. Seite ansehen
Schwarzenberg (Erzgebirge), 1862
Wenn etwas von der Wand fällt, so stirbt jemand aus der Freundschaft, also aus der Verwandtschaft; das gilt namentlich am Heiligabend und an Silvester.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 21, Nr. 247. Seite ansehen
Tirol, um 1870
Wenn das Weihbrunnkrüglein von der Wand fällt, kommt Unglück ins Haus.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 33, Nr. 248. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Bei wem würdest du dich gern wieder melden, wenn du an die Bilder an deinen Wänden denkst?