Salz verschütten
Wer Salz verschüttet, bekommt noch Schelte, bevor der Tag vorbei ist, meinte man um 1860 im Obererzgebirge. In Mecklenburg verhieß ein umgestoßenes Salzfass Streit, und in Chemnitz durfte man das Salz nicht wieder aufraffen.
Was es bedeuten kann
Auffällig ist, dass die deutschen Regeln beim Salz selten vom großen Unglück sprechen, sondern vom Krach im Haus: Schelte, Streit, ein verdorbener Tag. Salz stand mitten auf dem Tisch, und wer es umstieß, brachte Unruhe in die Mahlzeit. Wenn dir heute Salz herunterfällt, kannst du dich fragen, wie viel Spannung gerade in der Luft liegt und ob schon ein kleiner Anlass reicht, damit sie sich entlädt. Was nach dem Malheur zu tun sei, sagten die alten Quellen ganz unterschiedlich.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Das Salzfass kippt beim Essen
In Nienhagen in Mecklenburg hieß es knapp: Das Salzfass umstoßen heißt Streit. Wer will, kann daraus eine freundliche Übung machen: gemeinsam aufwischen, bevor ein schiefes Wort fällt.
Salz liegen lassen oder aufheben?
In Chemnitz riet man um 1700, verschüttetes Salz nicht wieder aufzuraffen, sonst habe man kein Glück. Heute fegt man es einfach weg, schon weil es auf dem Boden Feuchtigkeit zieht.
Jedes Korn zählt
Bei Schwerin hieß es schon 1791: So viele Salzkörner man umkommen lässt, so viele Stunden muss man vor dem Himmel warten. Dahinter steht eine Zeit, in der man mit jedem Vorrat sparsam umging.
Warum es in der Natur passiert
Salz zieht Feuchtigkeit aus der Luft an und verklumpt deshalb in feuchten Küchen. Feine Körner rollen weit und springen beim Aufprall, darum verteilt sich verschüttetes Salz rasch auf Tischplatte und Fußboden. Ein paar Reiskörner im Streuer halten es trockener.
Was der Volksglaube sagt
Obererzgebirge, 1862
Wer Salz verschüttet, wird noch vor dem Abend ausgescholten.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 20, Nr. 239. Seite ansehen
Nienhagen (Mecklenburg), um 1880
Das Salzfass umstoßen heißt Streit.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 137, Nr. 606. Seite ansehen
bei Schwerin, 1791
So viele Salzkörner man umkommen lässt, so viele Stunden muss man vor dem Himmel warten.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 137, Nr. 605a. Seite ansehen
Chemnitz, um 1700
Wer Salz verschüttet, soll es nicht aufraffen, sonst hat er kein Glück.
Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXX, Nr. 64. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Wie viel Spannung liegt bei dir gerade in der Luft, und was bräuchte es, damit sie sich löst?