Messer verschenken
Nadeln, Scheren und Messer verschenkt man nicht, sie zerschneiden die Freundschaft: So lautete um 1880 eine Mecklenburger Regel. In Vorpommern galt um 1840: Brautleute schenken einander kein Messer, sonst zerschneidet es die Liebe.
Was es bedeuten kann
Ein Messer ist ein nützliches, oft auch schönes Geschenk, und doch zögern manche, eines zu verschenken. Der alte Glaube nimmt das Bild wörtlich: Was schneidet, kann auch eine Verbindung durchtrennen. Darin steckt eine Sorge, die man gut verstehen kann, nämlich dass ein Geschenk falsch ankommt. Wer ein Messer verschenken möchte, sagt am besten einfach dazu, was die Gabe bedeuten soll. Ob Freundschaft oder Liebe auf dem Spiel stand, sah man um 1840 in Vorpommern und um 1880 in Mecklenburg übrigens verschieden.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Ein Messer zur Hochzeit
Für Vorpommern hielt Temme um 1840 fest, Brautleute dürften einander auf keinen Fall ein Messer schenken, sonst werde die Liebe zerschnitten. In Chemnitz galt schon um 1700: Der Bräutigam soll seiner Liebsten weder Messer noch Schere schenken.
Ein Messer für eine verliebte Person
Im Tiroler Ranggen hieß es: Schenkt man einem verliebten Mädchen ein Messer, so schneidet dieses die Liebe ab. Die Sorge galt also nicht dem Gegenstand, sondern einer Beziehung, die gerade erst wächst.
Nicht danken
In Mecklenburg kam eine Regel für den Beschenkten hinzu: Wer Nadeln, Scheren oder Messer geschenkt bekommt, darf sich nicht dafür bedanken. So wurde aus dem Geschenk eine Art stiller Tausch.
Ein Kochmesser für die neue Küche
Wer heute ein gutes Küchenmesser verschenkt, tut das meist mit einem Augenzwinkern über den alten Glauben. Ein paar freundliche Worte dazu helfen, dass die Gabe so ankommt, wie sie gemeint ist.
Warum es in der Natur passiert
Hinter dem Glauben steckt ein Bild, das sich leicht nachvollziehen lässt: Ein Messer trennt, und diese Eigenschaft wird auf die Beziehung zwischen Schenkenden und Beschenkten übertragen. Solche Übertragungen von Gegenständen auf Gefühle sind im Volksglauben weit verbreitet, ähnliche Regeln galten deshalb auch für Nadeln und Scheren.
Was der Volksglaube sagt
Mecklenburg, um 1880
Nadeln, Scheren und Messer darf man nicht verschenken, sie zerstechen und zerschneiden die Freundschaft; wer dergleichen erhält, darf nicht dafür danken.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 133, Nr. 569. Seite ansehen
Vorpommern, 1840
Brautleute dürfen sich ja kein Messer schenken, das würde die Liebe zerschneiden.
Quelle: J. D. H. Temme, Die Volkssagen von Pommern und Rügen (Abergläubische Meinungen und Gebräuche) (1840), S. 340. Seite ansehen
Ranggen (Tirol), um 1870
Wenn man einem verliebten Mädchen ein Messer schenkt, schneidet dieses die Liebe ab.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 11, Nr. 93. Seite ansehen
Chemnitz, um 1700
Der Bräutigam soll seiner Liebsten weder Messer noch Schere schenken, sonst wird die Liebe zerschnitten.
Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXXI, Nr. 87. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Was möchtest du mit deinem nächsten Geschenk eigentlich sagen?