Nägel schneiden am Freitag
Nur freitags soll man die Nägel schneiden, lautete um 1860 eine Regel im ganzen Obererzgebirge. In Tirol richtete man das Schneiden von Nägeln und Haaren dagegen nach dem abnehmenden Mond.
Was es bedeuten kann
Nägelschneiden gehört zu den unscheinbarsten Handgriffen der Woche, und doch hatte der Volksglaube auch dafür einen festen Termin. Solche Regeln geben dem Alltag eine Ordnung, die nichts kostet: Man muss nicht überlegen, wann, man tut es einfach am Freitag. Die alte Regel lenkt den Blick auf die kleinen Rituale, die eine Woche gliedern und ihr Halt geben. Im Erzgebirge entschied der Wochentag, in Tirol der Mond.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Nur am Freitag
Moritz Spieß notierte 1862 als allgemeinen Brauch im Erzgebirge: Nur freitags soll man die Nägel abschneiden. Eine Begründung gibt er an dieser Stelle nicht. Wer seine Nägel heute am Freitag schneidet, hält sich, ohne es zu wissen, an eine alte erzgebirgische Regel.
Nach dem Mond
In Tirol hieß es allgemein, Nägel und Haare müsse man bei abnehmendem Mond schneiden. Hier entschied also nicht der Wochentag, sondern der Himmel über den richtigen Zeitpunkt.
Wohin mit den Abschnitten?
Um 1700 warnte man in Chemnitz: Wer über abgeschnittene Nägel geht, ziehe sich den Groll dessen zu, dem sie gehörten. Abgeschnittene Nägel ließ man deshalb nicht einfach liegen. Heute landen sie im Müll, und die alte Sorge wirkt fast rührend.
Warum es in der Natur passiert
Fingernägel wachsen im Schnitt etwa drei Millimeter im Monat, Fußnägel langsamer. Wie oft man sie schneidet, hängt vor allem von Wachstum, Beruf und Gewohnheit ab. Ein fester Wochentag hilft einfach, es nicht zu vergessen.
Was der Volksglaube sagt
Obererzgebirge, 1862
Nur freitags soll man die Nägel abschneiden.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 6, Nr. 8. Seite ansehen
Tirol, um 1870
Nägel und Haare muss man bei abnehmendem Mond schneiden.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 28, Nr. 173. Seite ansehen
Chemnitz, um 1700
Wer über abgeschnittene Nägel geht, zieht sich den Groll dessen zu, dem sie gehörten.
Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXXIX, Nr. 319. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Welche kleinen Rituale gliedern deine Woche, und welche davon würdest du vermissen?