Everyday Omens

Heimchen im Haus

Zirpen Heimchen oder Grillen im Haus, geht es glücklich zu, hieß es um 1700 in Chemnitz. Im Etschland in Südtirol kannte man um 1870 beide Lesarten zugleich: Grillen im Haus hießen Glück, ihr Zirpen aber auch einen nahen Todesfall.

Was es bedeuten kann

Das Heimchen trägt das Heim schon im Namen. Es lebte früher dort, wo es warm war: am Herd, am Backofen, in der Küche. Kein Wunder, dass man sein Zirpen mit dem Leben im Haus verband, mit Glück, wenn alles gut lief, und mit Sorge, wenn jemand krank lag. Dass im selben Tal beide Deutungen nebeneinander bestanden, macht deutlich, wie sehr die Stimmung im Haus das Hören färbte. Ein Zirpen am Abend macht hörbar, wie sehr vertraute Geräusche ein Zuhause ausmachen.

Je nachdem, wie du es erlebt hast

Zirpen am Abend

Die Chemnitzer Rockenphilosophie, eine Sammlung von Spinnstubenweisheiten aus der Zeit um 1700, sagt: Wenn die Heimen oder Grillen im Haus singen, geht es glücklich zu. Das Zirpen gehörte zu den vertrauten Abendgeräuschen eines warmen Hauses.

Zwei Deutungen im selben Tal

Im Etschland in Südtirol galten um 1870 Grillen im Haus als Glück, und doch hieß es dort auch: Wenn Grillen in einem Haus zirpen, stirbt bald jemand darin. In Parchim in Mecklenburg kannte man die dunkle Lesart ebenfalls.

Heimchen heute

Echte Heimchen hört man in Wohnungen nur noch selten. Wer heute im Haus ein Zirpen hört, hat oft ein entwischtes Futterinsekt aus einem Terrarium vor sich oder eine Grille, die aus dem Garten hereingekommen ist.

Warum es in der Natur passiert

Das Heimchen ist eine wärmeliebende Grille, die früher in Backstuben, Küchen und Ställen lebte. Die Männchen zirpen, indem sie ihre Vorderflügel aneinanderreiben. In modernen, trockenen Häusern sind wild lebende Heimchen selten geworden; gezüchtet werden sie heute als Futtertiere.

Was der Volksglaube sagt

Chemnitz, um 1700

Wenn die Heimen oder Grillen im Haus singen, geht es glücklich zu.

Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXXIX, Nr. 313. Seite ansehen

Etschland (Südtirol), um 1870

Grillen im Haus heißen Glück.

Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 92, Nr. 783. Seite ansehen

Etschland (Südtirol), um 1870

Wenn Grillen in einem Haus zirpen, stirbt bald jemand darin.

Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 44, Nr. 374. Seite ansehen

Parchim (Mecklenburg), um 1880

Wenn ein Heimchen zirpt, so stirbt bald einer.

Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 125, Nr. 498. Seite ansehen

Zum Nachdenken

Welche Geräusche verbindest du mit Zuhause, und wann hast du sie zuletzt bewusst gehört?