Scherben bringen Glück
Scherben bringen Glück, sagt man, und beim Polterabend galt das ganz wörtlich: Je mehr Scherben, desto glücklicher das Paar, versicherte man um 1860 in Marienberg. Doch nicht jedes zerbrochene Stück galt als gutes Vorzeichen.
Was es bedeuten kann
Dass ein zerbrochener Teller Glück verheißen soll, wirkt wie ein Trost für ein Missgeschick. Die alten Bräuche sind genauer: Gewollt zerschlagenes Geschirr zur rechten Zeit, vor der Hochzeit oder beim Richtfest, galt als gut; was dagegen bei der Trauung selbst zerbrach, sah man ungern. Es kam also auf den Anlass an. Geht dir heute Geschirr zu Bruch, kannst du an diese Unterscheidung denken: Ob du darin Ärger oder einen Grund zum Lachen siehst, liegt oft bei dir. Welches Glück in Scherben steckt, bleibt am Ende eine Frage der Lesart.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Der Polterabend
Am Abend vor der Hochzeit zerschlug man im Erzgebirge Töpfe und Geschirr an der Haustür der Braut. Moritz Spieß meinte 1862, der Brauch habe ursprünglich böse Geister verscheuchen sollen; in Marienberg hieß es jedenfalls: Je mehr Scherben, desto glücklicher wird das Paar.
Beim Richtfest
Im Erzgebirge trank der Baumeister auf dem First auf das Wohl des Bauherrn und warf das leere Glas hinunter. Zerbrach es, war das ein günstiges Vorzeichen; blieb es ganz, fürchtete man Brand oder anderes Unglück. Hier musste das Glas zerbrechen, damit alles gut wurde.
Wenn bei der Hochzeit etwas zerbricht
Ganz anders bei der Trauung selbst: In Raschau und Schneeberg hieß es, wenn bei der Trauung oder während der Hochzeit etwas verloren geht oder zerbricht, habe das Paar kein Glück. Der Unterschied zwischen gewolltem Lärm am Vorabend und einem Missgeschick am Festtag war den Leuten wichtig.
Ein Teller fällt im Alltag
Für das gewöhnliche Missgeschick in der Küche nennen die alten Erzgebirgsquellen keine Regel. Der bekannte Spruch tröstet trotzdem und hilft, gelassen zu bleiben, statt sich über ein Stück Porzellan zu ärgern.
Warum es in der Natur passiert
Geschirr aus Porzellan und Steingut ist hart, aber spröde: Es verträgt Druck, doch einen Schlag auf eine Kante oder einen Sturz auf Fliesen hält es oft nicht aus. Feine Haarrisse, die man kaum sieht, schwächen ein Stück zusätzlich, bis es eines Tages bricht.
Was der Volksglaube sagt
Marienberg (Erzgebirge), 1862
Am Polterabend zerschlägt man Töpfe und dergleichen an der Haustür der Braut, nach Spieß ursprünglich, um böse Geister zu verscheuchen; je mehr Scherben, desto glücklicher wird das Paar.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 37, Nr. 508. Seite ansehen
Obererzgebirge, 1862
Beim Heben des Hauses wirft der Baumeister das geleerte Glas vom First; zerbricht es, ist es ein günstiges Anzeichen, bleibt es ganz, heißt es Brand- oder anderes Unglück.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 72, Nr. 836. Seite ansehen
Raschau und Schneeberg, 1862
Wenn bei der Trauung oder überhaupt während der Hochzeit etwas verloren geht oder zerbricht, so hat das Paar kein Glück.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 21, Nr. 262. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Bei welchem Missgeschick der letzten Zeit hättest du statt Ärger auch ein Lachen wählen können?