Haare schneiden nach dem Mond
Der zunehmende Mond war 1899 in Fröhden in Brandenburg die richtige Zeit für den Haarschnitt: Dann sollten die Haare recht wachsen. Im Kanton Bern achtete man um 1903 zusätzlich auf die Tierkreiszeichen im Kalender.
Was es bedeuten kann
Mondkalender für den Friseurbesuch sind bis heute beliebt, und sie haben eine lange Vorgeschichte. Früher hing in vielen Stuben ein Kalender mit Mondphasen und Tierkreiszeichen, nach dem man säte, pflanzte und eben auch Haare schnitt. Der Reiz liegt darin, alltägliche Dinge in einen größeren Rhythmus einzubetten. Wer mag, kann sich daran ein Vorbild nehmen, ohne an die Wirkung zu glauben: Ein bewusst gewählter Termin für etwas, mit dem man sich Gutes tut, fühlt sich anders an als ein schnell eingeschobener. In Fröhden, Bern und Basel-Land galten dabei jeweils eigene Regeln.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Bei zunehmendem Mond
In Fröhden in Brandenburg schnitt man die Haare um 1899 bei zunehmendem Mond, damit sie recht wachsen. In Basel-Land verbot man umgekehrt das Schneiden bei abnehmendem Mond und dazu an jedem Freitag.
Lang und glatt
In Lützelflüh im Emmental galt um 1903: Haare, die man schneidet, solange die Fische im Kalender stehen, werden lang und glatt.
Krause Haare und der Stier
In Bern riet man 1903, krause Haare nicht unter dem Stier zu schneiden, sonst würden sie glatt. Im Krebs geschnittene Haare sollten gar nicht mehr nachwachsen.
Warum es in der Natur passiert
Kopfhaar wächst täglich etwa 0,3 bis 0,5 Millimeter, also rund einen Zentimeter im Monat, gleichmäßig und unabhängig vom Tag des Schnitts. Wie dick, glatt oder lockig es nachwächst, bestimmt die Haarwurzel, nicht die Schere. Ein Schnitt verändert nur die Spitzen.
Was der Volksglaube sagt
Fröhden (Brandenburg), 1899
Mit zunehmendem Mond soll man sich die Haare schneiden lassen, damit sie recht wachsen.
Quelle: Paul Otto, Gebräuche und Aberglauben aus Fröhden, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Jg. 9 (1899), S. 444, Nr. 34. Seite ansehen
Lützelflüh (Emmental), 1903
Die Haare, im Zeichen der Fische geschnitten, werden lang und glatt.
Quelle: G. Züricher und M. Reinhard (Sammler), Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 7 (1903), S. 142, Nr. 132. Seite ansehen
Bern, 1903
Krause Haare soll man nicht schneiden, wenn der Kalender den Stier zeigt, sonst werden sie glatt; im Krebs geschnittene Haare wachsen nicht nach.
Quelle: G. Züricher und M. Reinhard (Sammler), Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 7 (1903), S. 142, Nr. 133–134. Seite ansehen
Basel-Land, 1908
Das Haar soll man nicht schneiden, wenn der Mond abnimmt, und auch nicht an einem Freitag.
Quelle: A. Müller (Sammler), Aus dem Volksmund und Volksglauben des Kantons Basel-Land, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 12 (1908), S. 151, Nr. 454. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Für welche Gewohnheit möchtest du dir einen festen, bewusst gewählten Zeitpunkt gönnen?