Hals- und Beinbruch
Hals- und Beinbruch gewünscht zu bekommen, galt dem Jäger als besonders gutes Vorzeichen für eine gelungene Jagd: So erklärte es die Gartenlaube 1886. Heute wünscht man es vor Prüfungen, Auftritten und Reisen.
Was es bedeuten kann
Wer jemandem Hals- und Beinbruch wünscht, meint natürlich das Gegenteil. Dahinter steht eine alte Vorsicht: Im Erzgebirge riet man um 1860 sogar, sich des eigenen Glücks nicht zu rühmen. Heute ist der Wunsch vor allem ein Ausdruck von Nähe und Humor: Man sagt ihn Menschen, denen man wirklich etwas Gutes gönnt. Wer ihn ausspricht, stellt sich gewissermaßen hinter den anderen. Der hier zitierte Beleg aus dem 19. Jahrhundert führt in die Welt der Jäger.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Bei der Jagd
In einer Jugenderinnerung, die die Gartenlaube 1886 abdruckte, wünscht der Dienstherr dem jungen Erzähler vor dem ersten Hirsch: „Waidmanns Heil zu guter Jagd, und Hals- und Beinbruch noch dazu.“ Eine Fußnote erklärt, dieser Wunsch gelte dem Jäger als besonders gutes Vorzeichen.
Vor einer Prüfung oder einem Auftritt
Heute hört man den Wunsch vor Examen, Bewerbungsgesprächen und Premieren. Wer ihn bekommt, darf sich freuen: Er ist nicht wörtlich gemeint, sondern ein augenzwinkernder Glückwunsch.
Glück nicht beschreien
Im Obererzgebirge hieß es um 1860 allgemein, man solle sich weder seines Glücks noch seiner Gesundheit rühmen. Wer Glück nicht laut beim Namen nennt, kann es nach dieser Logik auch nicht verscheuchen. Der verdrehte Wunsch passt gut zu dieser Vorsicht.
Warum es in der Natur passiert
Redensarten, die das Gegenteil des Gemeinten sagen, sind im Deutschen nicht selten; sie leben von Ironie und gemeinsamer Erfahrung. Wer den Wunsch kennt, versteht ihn sofort richtig. Solche Formeln verbinden Menschen, die dieselbe Sprache des Augenzwinkerns sprechen, und nehmen einer angespannten Lage ein wenig die Schwere.
Was der Volksglaube sagt
Jägerbrauch, 1886
Hals- und Beinbruch gewünscht zu bekommen, gilt dem Jäger als ein besonders gutes Vorzeichen für das Gelingen der Jagd.
Quelle: Guido Hammer, Mein erster Hirsch, Die Gartenlaube 1886, Heft 38 (1886), S. 670, Fußnote 2. Seite ansehen
Obererzgebirge, 1862
Man rühme sich weder seines Glückes noch seiner Gesundheit oder sonstiger günstiger Umstände.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 30, Nr. 368. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Der Jäger darf kein Pulver und Blei verschenken, sonst trifft er an dem Tag nichts.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 129, Nr. 530. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Wem würdest du gerade gern den Rücken stärken, mit einem Wunsch oder einer Tat?