Everyday Omens

Neumond und erste Mondsichel

Wenn nach Neumond die Mondsichel zum ersten Mal wieder am Himmel steht, darf man sich etwas wünschen, solange man sie ansieht: Diesen Brauch kannte man 1904 in Bern und Umgebung. Bauern achteten zum Neumond eher auf das Wetter.

Was es bedeuten kann

Ein paar Nächte lang fehlt der Mond am Himmel, und dann steht er plötzlich wieder da, als dünner Bogen im Abendrot. Wer ihn zufällig entdeckt, freut sich oft mehr als über einen vollen Mond, gerade weil man ihn so leicht übersieht. Der Berner Brauch, sich beim ersten Anblick etwas zu wünschen, macht aus diesem Moment eine kleine Aufmerksamkeitsübung: hinschauen, den Blick halten, sich kurz sammeln. Wer möchte, kann die Wiederkehr der Sichel auch als Erinnerung daran nehmen, wie viel im Dunkeln weiterläuft, auch wenn man es nicht sieht. In Sarnen und Basel-Land richtete sich der Blick zum Neumond dagegen aufs Wetter.

Je nachdem, wie du es erlebt hast

Die Sichel zum ersten Mal sehen

Im Kanton Bern durfte man sich 1904 etwas wünschen, wenn man die Sichel nach Neumond zum ersten Mal erblickte. Wichtig war, sie dabei die ganze Zeit anzuschauen.

Neumond bei klarem Himmel

Ein unbekannter Schreiber in Obwalden warnte im 18. Jahrhundert: Fällt der Neumond in klares, helles Wetter, hält das schöne Wetter gewöhnlich nicht länger als drei Tage.

Das Wetter ändert sich nicht

Bleibt das Wetter beim Neumond unverändert, hält es zwei Wochen, so eine Bauernregel aus Basel-Land. Auch den dritten Tag nach Neumond beobachtete man: Hält das Wetter dann nicht, kommen ein bis zwei schlechte Wochen.

Der dunkle Rest der Scheibe

Neben der dünnen Sichel ist an klaren Abenden manchmal der Rest der Mondscheibe schwach grau zu erkennen. Dieses aschgraue Mondlicht ist Sonnenlicht, das die Erde auf den Mond zurückwirft.

Hast du vom Mond geträumt?Die Bedeutung im Traum, auf Night Symbols

Warum es in der Natur passiert

Bei Neumond steht der Mond von der Erde aus gesehen nahe der Sonne, und seine beleuchtete Seite ist von uns abgewandt. Ein bis zwei Tage danach taucht kurz nach Sonnenuntergang tief im Westen die erste schmale Sichel auf. Ein ganzer Mondzyklus von Neumond zu Neumond dauert etwa 29,5 Tage.

Was der Volksglaube sagt

Kanton Bern, 1904

Wenn nach Neumond die Mondsichel zum ersten Mal wieder am Himmel steht, darf man sich im Augenblick des Erblickens etwas wünschen und die Sichel dabei ansehen; der Wunsch wird erfüllt.

Quelle: G. Züricher und M. Reinhard (Sammler), Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 8 (1904), S. 269, Nr. 24. Seite ansehen

Sarnen (Obwalden), 18. Jh.

Tritt der Neumond bei hellem, klarem Himmel ein, hält das schöne Wetter gewöhnlich nicht über drei Tage an.

Quelle: A. Küchler (Hrsg.), Volkstümliche Notizen, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 4 (1900), S. 38. Seite ansehen

Basel-Land, 1908

Wenn sich das Wetter beim Neumond nicht ändert, bleibt es zwei Wochen so.

Quelle: A. Müller (Sammler), Aus dem Volksmund und Volksglauben des Kantons Basel-Land, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 12 (1908), S. 20, Nr. 89. Seite ansehen

Basel-Land, 1908

Ist heute der dritte Tag nach Neumond und hält das Wetter jetzt nicht, folgen ein bis zwei Wochen schlechtes Wetter.

Quelle: A. Müller (Sammler), Aus dem Volksmund und Volksglauben des Kantons Basel-Land, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 12 (1908), S. 21, Nr. 100. Seite ansehen

Zum Nachdenken

Was läuft in deinem Leben gerade still weiter, obwohl man es von außen kaum sieht?