Kreuz auf dem Brot
Ein Kreuz auf dem Brot gehörte früher zum Backen und Anschneiden: Im Inntal machte man um 1870 drei Kreuze auf ein neues Brot, bevor es angeschnitten wurde. In Mecklenburg und in der Altmark schlug man ein Kreuz vor dem Ofenloch.
Was es bedeuten kann
Ein Brot anzuschneiden ist eine kleine Alltagshandlung, und doch hielt man früher kurz inne, bevor das Messer ansetzte. Das Kreuz war Dank und Bitte zugleich, dass das Brot reiche. Auch ohne religiösen Bezug kann so ein Innehalten etwas verändern: Wer kurz würdigt, was auf dem Tisch liegt, isst bewusster. Für gläubige Menschen hat das Kreuz bis heute eine tiefe Bedeutung, andere Familien kennen den Brauch nur aus Erzählungen, und im Inntal, in Mecklenburg und in der Altmark sah er jeweils etwas anders aus.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Drei Kreuze vor dem ersten Schnitt
Im Inntal galt um 1870: Bevor man neu gebackenes Brot anschneidet, macht man drei Kreuze darauf, sonst fehlt der Segen Gottes. Der erste Schnitt in einen frischen Laib wurde so zu einem kleinen, feierlichen Augenblick.
Ein Kreuz vor dem Backofen
In Mecklenburg schlug man um 1880 allgemein ein Kreuz vor dem Ofen, wenn das Brot eingeschoben war, gewöhnlich mit dem Brotschieber, und sprach dazu: „Dat Brot is in ’n Aben, De leiw Gott is unnen un baben.“ In Bellin wurden daraus drei Kreuze.
Schon der Teig wird bekreuzt
In Brütz in Mecklenburg bekreuzte man schon den Teig und zeichnete außerdem ein Kreuz vor den Backofen. In Mellin in der Altmark machte man 1839 mit der Schüssel drei Kreuze vor der Ofenmündung, damit das Brot gedeihe.
Warum es in der Natur passiert
Brotteig dehnt sich im Ofen stark aus, weil Gase und Wasserdampf entweichen wollen. Bäcker schneiden die Oberfläche deshalb vor dem Backen ein, manchmal auch kreuzförmig, damit die Kruste an dieser Stelle aufreißt und nicht irgendwo. So entstand ein Muster, das praktisch ist und zugleich an das alte Segenskreuz erinnert.
Was der Volksglaube sagt
Inntal (Tirol), um 1870
Bevor man neu gebackenes Brot anschneidet, macht man drei Kreuze darauf, sonst fehlt der Segen Gottes dabei.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 37, Nr. 295. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Ist das Brot in den Ofen geschoben und dieser geschlossen, schlägt man mit dem Einschieber ein Kreuz davor und spricht einen Segensvers.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 134, Nr. 584. Seite ansehen
Brütz (Mecklenburg), um 1880
Beim Brotbacken wird der Teig bekreuzt und vor dem Backofen ein Kreuz gezeichnet.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 134, Nr. 580. Seite ansehen
Mellin (Altmark), 1839
Ist das Brot in den Ofen geschoben, macht man mit der Schüssel drei Kreuze vor der Mündung des Ofens, damit es gedeiht.
Quelle: J. D. H. Temme, Die Volkssagen der Altmark (Abergläubische Meinungen und Gebräuche) (1839), S. 78. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Wofür in deinem Alltag würdest du gern öfter kurz innehalten und danken?