Vollmond
Wer sich vor dem Vollmond dreimal verbeugt, bekommt etwas geschenkt: Das glaubte man um 1860 in Marienberg. Raschau und Lusern brachten den vollen Mond dagegen mit der Obstblüte und mit schnell wachsendem Haar in Verbindung.
Was es bedeuten kann
Ein voller Mond, der hell über den Dächern steht, lässt kaum jemanden kalt. Der Volksglaube antwortete darauf mit kleinen Gesten: sich verbeugen, Pflanzen und Haare nach ihm richten. Darin steckt die Idee, dass man mit etwas Großem freundlich umgehen kann, ohne es ganz zu verstehen. Wenn du heute den Vollmond siehst, kannst du kurz innehalten und dir überlegen, wofür du gerade dankbar bist. Marienberg, Raschau und Lusern schrieben ihm jeweils andere Kräfte zu, und vieles davon ist heute eher Brauch als Überzeugung.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Drei Verbeugungen
Drei Verbeugungen vor dem am Himmel stehenden Vollmond, und man bekommt etwas geschenkt: So erzählte man es in Marienberg. Eine höfliche Geste gegenüber dem Himmel, die nichts kostet.
Obstbäume blühen bei Vollmond
In Raschau hieß es: Blühen die Bäume im Vollmond, gibt es viel Obst; blühen sie im abnehmenden Mond, tragen sie keine Früchte. Ob es viel Obst gibt, hängt in Wahrheit von Frost, Wetter und Bienen während der Blüte ab.
Haare schneiden bei Vollmond
In Lusern im Trentino sagte man um 1870, Haare, die man bei Vollmond schneidet, wachsen sehr schnell. Haare nach dem Mondkalender zu schneiden, ist bis heute ein bekannter Brauch, auch wenn sich ein Einfluss auf das Wachstum nicht nachweisen lässt.
Warum es in der Natur passiert
Bei Vollmond steht die Erde zwischen Sonne und Mond, und wir sehen die ganz beleuchtete Seite des Mondes. Das wiederholt sich etwa alle 29,5 Tage. Der Vollmond geht ungefähr bei Sonnenuntergang auf und steht um Mitternacht am höchsten.
Was der Volksglaube sagt
Marienberg (Erzgebirge), 1862
Wenn man vor dem am Himmel stehenden Vollmond drei Verbeugungen macht, bekommt man etwas geschenkt.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 17, Nr. 182. Seite ansehen
Raschau (Erzgebirge), 1862
Wenn die Bäume im Vollmond blühen, so gibt es viel Obst; blühen sie im abnehmenden Mond, so tragen sie keine Früchte.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 17, Nr. 179. Seite ansehen
Lusern (Trentino), um 1870
Werden die Haare beim Vollmond geschnitten, wachsen sie sehr schnell.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 28, Nr. 175. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Wofür bist du gerade dankbar, auch wenn du es selten aussprichst?