Mit dem linken Fuß aufstehen
Wer morgens mit dem linken Fuß zuerst aus dem Bett steigt, ist den ganzen Tag verdrießlich, warnte man um 1860 in Marienberg. In Mecklenburg sagte man von schlecht Gelaunten: Er ist heut mit dem linken Fuß aufgestanden.
Was es bedeuten kann
Der erste Schritt des Tages geschieht im Halbschlaf, und trotzdem hat der Volksglaube ihm viel Gewicht gegeben. Aus der Regel, nicht links aufzustehen, wurde mit der Zeit eine Redensart für schlechte Laune. Das ist eine freundliche Entwicklung: Statt eines drohenden Unglücks bleibt eine Erklärung, mit der man sich und anderen einen schwierigen Morgen verzeihen kann. Wer mürrisch aufwacht, darf die Redensart also gnädig auf sich selbst anwenden. Von Marienberg bis Ambras war die linke Seite verdächtig, die Folgen aber malte sich jeder Ort anders aus.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Mit links zuerst
In Marienberg im Erzgebirge hieß es, wer morgens mit dem linken Fuß zuerst aus dem Bett steigt, sei den ganzen Tag verdrießlich oder werde von einem Unfall betroffen. Im Tiroler Ambras sagte man drastischer: Steigt man links zuerst heraus, zieht der Teufel den rechten nach.
Die Redensart
In Mecklenburg galt es allgemein als Unglück für den Tag, links zuerst aufzustehen, und als Grund für schlechte Laune. Daher, so Bartsch, sage man von einem Übelgelaunten: Er ist heut mit dem linken Fuß aus dem Bette aufgestanden.
Rückwärts aus dem Bett
In der Chemnitzer Überlieferung um 1700 war es das Rückwärtsaufstehen: Wer so aus dem Bett steigt, dem geht den ganzen Tag alles verkehrt. In Ranggen in Tirol sagte man mürrischen Leuten scherzhaft, sie seien heute mit dem Hintern voran aufgestanden.
Warum es in der Natur passiert
Ob man links oder rechts aufsteht, hängt meist davon ab, auf welcher Seite das Bett an der Wand steht und wie man liegt. Schlechte Laune am Morgen hat viele Gründe, von einer kurzen Nacht bis zu Sorgen, die einen schon beim Aufwachen beschäftigen. Die Redensart gibt dieser Stimmung einfach einen Namen.
Was der Volksglaube sagt
Marienberg (Erzgebirge), 1862
Des Morgens darf man nicht mit dem linken Fuß zuerst aus dem Bett steigen, weil man sonst den ganzen Tag verdrießlich ist oder von einem Unfall betroffen wird.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 30, Nr. 371 (Fortsetzung S. 31). Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Wenn man morgens mit dem linken Fuß zuerst aus dem Bett steigt, heißt das Unglück für diesen Tag, auch dass man übel gelaunt ist; daher sagt man von einem Übelgelaunten: Er ist heut mit dem linken Fuß aus dem Bette aufgestanden.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 133, Nr. 572. Seite ansehen
Ambras (Tirol), um 1870
Wenn man mit dem linken Fuß zuerst aus dem Bett steigt, zieht den rechten der Teufel nach.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 27, Nr. 165. Seite ansehen
Chemnitz, um 1700
Wer rückwärts aus dem Bett steigt, dem geht den ganzen Tag alles verkehrt.
Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXX, Nr. 61. Seite ansehen
Ranggen (Tirol), um 1870
Zu mürrischen Leuten sagt man: Du bist heute mit dem Hintern voran aufgestanden.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 27, Nr. 166. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Was hat deinem Morgen gefehlt, wenn der Tag schief beginnt?