Sternschnuppe sehen
Wer sich etwas wünscht, während eine Sternschnuppe fällt, dem geht der Wunsch in Erfüllung: Das erzählte man um 1870 im Inntal ebenso wie um 1860 in Marienberg. Andere Gegenden lasen in ihr ganz andere Dinge.
Was es bedeuten kann
Eine Sternschnuppe dauert nur einen Atemzug lang, und genau das macht den alten Brauch so reizvoll: Man muss den Wunsch schon bereithalten, bevor sie verglüht. Wer seinen Wunsch parat hat, kennt sich ein Stück besser. So wird der fallende Stern zur Probe, ob du weißt, was dir gerade wichtig ist. Im Etschland suchte man dagegen einen Schatz, und am Zürichsee sah man in ihr Geburt wie Ende.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Einen Wunsch denken
Im Inntal und in Marienberg galt: Wer sich etwas wünscht, während er eine Sternschnuppe fallen sieht, dem erfüllt sich der Wunsch. Der Wunsch musste also in dem Augenblick gedacht werden, in dem sie fällt, und nicht danach.
Wo sie niederfällt
Im Etschland in Südtirol hieß es um 1870, wo eine Sternschnuppe niederfällt, liege ein Schatz. Tatsächlich erreicht kaum ein Meteor den Boden; die allermeisten verglühen hoch oben in der Atmosphäre.
Geburt oder Abschied
In Horgen am Zürichsee kannte man beide Seiten: Erlosch ein Stern scheinbar nahe der Erde, sagte frommer Glaube, es sei wieder ein Mensch geboren; doch zu den Vorboten des Todes zählte man dort auch die schießende Sternschnuppe. Dieselbe Erscheinung konnte also Anfang und Ende heißen.
Sternschnuppennächte im August
Um den 12. August fallen mit den Perseiden besonders viele Sternschnuppen, im Dezember mit den Geminiden. Wer dann in einer klaren Nacht fern von Straßenlampen liegt, braucht nicht lange auf eine Gelegenheit zum Wünschen zu warten.
Warum es in der Natur passiert
Sternschnuppen sind kleine Staubteilchen und Gesteinskörnchen aus dem All, die mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eindringen und in etwa 80 bis 120 Kilometern Höhe verglühen. Wenn die Erde die Staubspur eines Kometen kreuzt, gibt es Nächte mit besonders vielen Meteoren.
Was der Volksglaube sagt
Inntal (Tirol), um 1870
Wenn man, während man eine Sternschnuppe fallen sieht, einen Wunsch tut, geht er in Erfüllung.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 119, Nr. 1069. Seite ansehen
Marienberg (Erzgebirge), 1862
Wenn man, während man eine Sternschnuppe fallen sieht, einen Wunsch tut, so geht er in Erfüllung.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 34, Nr. 449. Seite ansehen
Etschland (Südtirol), um 1870
Wo eine Sternschnuppe niederfällt, liegt ein Schatz.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 119, Nr. 1068. Seite ansehen
Horgen (Zürich), 1857–1859
Schießt ein Stern am Himmel und erlischt scheinbar nahe der Erde, so spricht frommer Glaube: Es ist auch wieder ein Mensch geboren.
Quelle: Paul Hirzel (Sammler), Aberglauben im Kanton Zürich, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 2 (1898), S. 216, Nr. 1. Seite ansehen
Horgen (Zürich), 1857–1859
Unter den Todesvorzeichen: wenn ein Stern schießt.
Quelle: Paul Hirzel (Sammler), Aberglauben im Kanton Zürich, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 2 (1898), S. 217, Nr. 21. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Welchen Wunsch hättest du sofort parat, wenn heute Nacht ein Stern fiele?