Everyday Omens

Schwendtage und Unglückstage

Es gibt 42 Unglückstage, die schlimmsten sind der 1. April, der 1. August und der 1. Dezember: So teilte eine Frau aus Jever um 1867 die Liste mit. In Windischgarsten in Oberösterreich hießen solche Tage Schwendtage.

Was es bedeuten kann

Schon der Sammler Ludwig Strackerjan bemerkte 1867, dass sich eine so lange Reihe von Tagen kaum im Gedächtnis behalten lasse: Man schrieb sie voneinander ab, und dabei entstanden zahlreiche Abweichungen. Das ist ein entlastender Gedanke. Wenn jede Liste anders war, kann kein Datum für sich allein ein Unglück tragen. Wer dennoch das Gefühl kennt, an manchen Tagen lieber nichts Großes zu beginnen, darf das als Bedürfnis nach einem guten Zeitpunkt ernst nehmen, ohne den Kalender darüber entscheiden zu lassen. Von Jever bis Windischgarsten bekamen dieselben Gedanken eigene Namen und Zahlen.

Je nachdem, wie du es erlebt hast

Eine Liste aus Jever

Die Oldenburger Liste von 1867 nannte 42 Tage, verteilt über das ganze Jahr. Was an ihnen gepflanzt oder gesät werde, gedeihe nicht, und wer eine Reise antrete, kehre vor der Zeit heim. Einige kannten nur 40 Unglückstage.

Der Name Schwendtag

In Windischgarsten in Oberösterreich hießen die Unglückstage um 1903 Schwendtage. Das bairische Wort geht auf mittelhochdeutsch „swende“ („Vernichtung“, „Verbannung“) zurück.

Ein Kalender aus dem 15. Jahrhundert

In einem handschriftlichen Zürcher Kalender des 15. Jahrhunderts sind die gefährlichen Tage notiert: im Januar sieben, im Juni nur einer. Der Herausgeber wunderte sich 1897, dass ausgerechnet der 13., gegen den man inzwischen die meisten Vorurteile hegte, dort nirgends vorkam.

Ein einzelner Tag im Dorf

In Hossingen auf der Schwäbischen Alb galt um 1880 neben den allgemein bekannten Unglückstagen besonders der 1. April als verrufen.

Warum es in der Natur passiert

Listen „verworfener“ oder „ägyptischer“ Tage gab es schon in mittelalterlichen Kalendern; die römische Antike kannte ihre „schwarzen Tage“. Franz Branky zeigte 1903, dass viele bäuerliche Listen in Österreich auf ein gedrucktes Volksbüchlein unter dem Namen „Albertus Magnus“ zurückgingen. Weil man sie abschrieb, unterscheiden sich die Daten von Ort zu Ort.

Was der Volksglaube sagt

Oldenburg (Jever), 1867

Es gibt 42 Unglückstage, darunter als die schlimmsten der 1. April, der 1. August und der 1. Dezember; was man an ihnen beginnt, hat ein schlechtes Ende. Die Liste stammt von einer Frau aus Jever, manche kennen nur 40 solche Tage.

Quelle: Ludwig Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg, Bd. 2 (1867), Bd. 2, S. 52–53, § 320. Seite ansehen

Windischgarsten (Oberösterreich), 1903

In Windischgarsten heißen oder hießen die Unglückstage Schwendtage; als die drei verrufensten gelten der 1. April, der 1. August und der 1. Dezember.

Quelle: Franz Branky, Zu den unglücklichen Tagen des Jahres, Zeitschrift für österreichische Volkskunde, Jg. 9 (1903), S. 141. Seite ansehen

Zürich, 15. Jh.

Ein handschriftlicher Kalender des 15. Jahrhunderts sagt denen, die an gewissen Tagen geboren werden, heiraten oder eine Reise antreten, Schlimmes voraus; der Januar hat sieben solche Tage, der Brachmonat nur einen, der 13. wird nirgends genannt.

Quelle: E. A. Stückelberg, Unglückstage, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 1 (1897), S. 163–164. Seite ansehen

Hossingen (Schwäbische Alb), 1880

Neben den allgemein angenommenen Unglückstagen gilt in Hossingen der 1. April als Unglückstag.

Quelle: Königlich statistisch-topographisches Bureau (Julius Hartmann, Eduard Paulus), Beschreibung des Oberamts Balingen, Kapitel A 3 (1880), S. 120. Seite ansehen

Zum Nachdenken

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