Wäsche waschen zwischen den Jahren
In der Zeit zwischen den Jahren keine Wäsche zu waschen, halten manche bis heute ein. In Mummendorf in Mecklenburg hieß es um 1880, wer in den Zwölften Wäsche über den Zaun hängt, bekleide im selben Jahr den Friedhof.
Was es bedeuten kann
Unter den alten Vorschriften für die Tage zwischen den Festen hat sich das Waschverbot erstaunlich gut gehalten. Vielleicht, weil es so leicht zu befolgen ist: Man lässt etwas einfach liegen. Der Mecklenburger Spruch dazu klingt düster, doch dahinter steht vor allem der Wunsch, in einer unsicheren Zeit nichts herauszufordern. Ob du die Regel einhältst oder bewusst brichst, du kannst dich dabei fragen, welche Gewohnheiten du aus Vorsicht pflegst und welche aus Überzeugung. Dass man in Schwarzenberg an Fastnacht gerade gern wusch, macht deutlich, wie wenig einheitlich solche Waschtage waren.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Wäsche am Zaun
In Mummendorf in Mecklenburg sagte man auf Platt sinngemäß: Wer in den Zwölften den Zaun mit Wäsche bekleidet, bekleidet im selben Jahr den Kirchhof. Gemeint war ein Todesfall. Verboten war dort das Waschen während der Zwölften überhaupt, und der Spruch malte aus, was drohte.
Keine Wäsche in der Karwoche
Auch zu anderen Zeiten mied man die Wäsche. In Sosa galt um 1860, in der Karwoche solle man keine Wäsche waschen; geschehe es mit der Wäsche eines Bergmanns, verunglücke er. In Lauter hängte man in dieser Woche kein gewaschenes Bettzeug ins Freie.
Ein guter Waschtag
Es gab auch das Gegenteil: In Schwarzenberg im Erzgebirge wusch man an Fastnacht Wäsche, damit sie recht weiß werde. Nicht jeder besondere Tag war also ein schlechter Waschtag.
Waschtag früher und heute
Früher war Waschen eine mehrtägige Arbeit mit Einweichen, Kochen, Schrubben und Trocknen im Freien, im Winter besonders mühsam. Heute läuft die Maschine nebenher, und die Regel ist für viele eher ein liebgewonnener Brauch als eine Sorge.
Warum es in der Natur passiert
Wäschewaschen war vor der Waschmaschine schwere, oft mehrtägige Arbeit, die Wasser, Feuerholz und Platz zum Trocknen brauchte. Im Winter trocknete die Wäsche draußen kaum, und die kurzen Tage ließen wenig Licht. Zugleich galten die Tage zwischen den Festen etwa in der Altmark und im Erzgebirge als Zeit, in der schwere Arbeit ruhen sollte.
Was der Volksglaube sagt
Mummendorf (Mecklenburg), um 1880
In den Zwölften darf keine Wäsche gehalten werden, denn wer in den Zwölften den Zaun mit Wäsche bekleidet, bekleidet im selben Jahr den Kirchhof.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 243, Nr. 1262. Seite ansehen
Sosa und Lauter (Erzgebirge), 1862
In der Karwoche wasche man keine Wäsche; geschieht es mit der Wäsche eines Bergmanns, so verunglückt er (Sosa); auch hänge man kein gewaschenes Bettzeug ins Freie (Lauter).
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 12, Nr. 105. Seite ansehen
Schwarzenberg (Erzgebirge), 1862
Man wasche an Fastnacht Wäsche, dann wird sie recht weiß.
Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 10, Nr. 70. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Welche Gewohnheit pflegst du eher aus Vorsicht als aus Überzeugung?