Ehering verloren
Ein verlorener Trauring verhieß um 1862 im Kanton Luzern eine Ehe von kurzer Dauer. In Oldenburg und in Nordthüringen achtete man besonders darauf, dass der Ring beim Wechseln nicht zu Boden fiel.
Was es bedeuten kann
Ein verlorener Ehering erschreckt, weil er mehr ist als Schmuck: Er steht für ein Versprechen, das man täglich am Finger trägt. Die alten Regeln haben diese Bedeutung wörtlich genommen und den Verlust zum schlechten Omen gemacht. Dabei hängt eine Ehe von etwas anderem ab als von Metall. Wenn dir ein Ring abhandenkommt, kann das ein Anlass sein, dem Menschen dahinter zu sagen, was er dir bedeutet, und dann ganz praktisch zu suchen oder einen neuen anfertigen zu lassen. Die Sorge um den verlorenen oder gefallenen Ring teilte man in Luzern, Oldenburg und Nordthüringen.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Der Ring fällt bei der Trauung
In Holle im Oldenburger Land glaubte man um 1867, wenn jemand den Ring bei der Trauung fallen lasse, sei in der Ehe kein Glück. In Nordthüringen hieß es 1903 ebenso, die Ringe dürften beim Wechseln nicht zur Erde fallen.
Der Ring ist irgendwann weg
Im Kanton Luzern sagte man um 1862 ohne Umschweife: Wer den Brautring verliert, dessen Ehe ist von kurzer Dauer. Heute tauchen verlorene Ringe oft in Handschuhen, Taschen oder im Abfluss wieder auf.
Der Ring sitzt plötzlich locker
Wer abgenommen hat oder älter wird, merkt manchmal, dass der Ring nicht mehr festsitzt. Das ist kein Zeichen, sondern ein guter Grund, ihn beim Goldschmied enger machen zu lassen.
Warum es in der Natur passiert
Finger verändern ihren Umfang: Bei Kälte ziehen sie sich zusammen, bei Wärme schwellen sie leicht an, und mit den Jahren und mit dem Körpergewicht ändert sich die Ringgröße. Sitzt ein Ring zu locker, kann er beim Händewaschen, Eincremen oder Ausziehen von Handschuhen über das Fingergelenk rutschen.
Was der Volksglaube sagt
Kanton Luzern, 1862
Wer den Brautring verliert, dessen Ehe ist von kurzer Dauer.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Lucern, Uri, Schwiz, Unterwalden und Zug (1862), S. 549, Nr. 526. Seite ansehen
Oldenburg und Holle, 1867
Verliert jemand einen Trauring oder lässt ihn bei der Trauung fallen, so ist in der Ehe kein Glück.
Quelle: Ludwig Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg, Bd. 1 (1867), Bd. 1, S. 29, § 18. Seite ansehen
Nordthüringen, 1903
Die Ringe dürfen beim Wechseln nicht zur Erde fallen.
Quelle: R. Reichhardt, Volksbräuche aus Nordthüringen, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Jg. 13 (1903), S. 388. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Wann hast du dem Menschen, mit dem du verbunden bist, zuletzt gesagt, wie wichtig er dir ist?