Gottesanbeterin sehen
Wer eine Gottesanbeterin sieht, hat ein Insekt vor sich, das in Deutschland lange fast nur in Südbaden lebte. Seit den 1990er Jahren breitet sie sich mit dem Klimawandel nach Norden aus, bis nach Berlin und Brandenburg.
Was es bedeuten kann
Die Gottesanbeterin hält ihre Vorderbeine so gefaltet, dass Menschen darin eine betende Haltung sahen, daher ihr Name. Dabei ist das Stillhalten eine Jagdtechnik: Sie wartet reglos, bis Beute in Reichweite kommt. Eine Begegnung mit ihr kann dich auf die eigene Geduld aufmerksam machen. Wo wartest du klug auf den richtigen Augenblick, und wo verharrst du nur? Welche Bedeutung man diesem Tier gibt, ist eine persönliche Sache; die alten Sammlungen aus dem deutschsprachigen Raum kennen es noch kaum, und heutige Deutungen gehen weit auseinander.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Auf dem Balkon oder an der Hauswand
In Mitteleuropa braucht die Gottesanbeterin warme Plätze. Man findet sie an Gebüschen und Hecken, aber auch in Wohngebieten, etwa an sonnigen Mauern oder zwischen Balkonpflanzen. Fangen oder halten darf man sie nicht, denn sie ist besonders geschützt.
Grün oder braun
Ihre Färbung reicht von hellem Grün bis Braun; auf ehemaligen Brandflächen kommen sogar fast schwarze Tiere vor. So verschmilzt sie mit Gras, Laub oder Ästen und bleibt für ihre Beute lange unsichtbar.
Ein schaumiges Päckchen am Zweig
Im Spätsommer oder Herbst legt das Weibchen 200 bis 300 Eier in eine etwa vier Zentimeter lange Kapsel aus schnell erhärtendem Schaum. Die erwachsenen Tiere gehen vor dem Winter ein, die Eier überwintern. Wer so ein Päckchen findet, lässt es am besten, wo es ist.
Der Kopf folgt dir
Der große, dreieckige Kopf ist sehr beweglich. So kann die Gottesanbeterin Bewegungen in ihrer Umgebung mit den Augen verfolgen, ohne den ganzen Körper zu drehen, und wirkt dabei, als würde sie dich mustern.
Warum es in der Natur passiert
Die Europäische Gottesanbeterin lebt in Mitteleuropa nur an wärmebegünstigten Orten. In Deutschland lag ihr Schwerpunkt lange in Südbaden um Kaiserstuhl und Freiburg; seit 1998 gibt es ein Vorkommen in Berlin, und mit dem Klimawandel breitet sie sich weiter nach Norden aus. In Österreich reicht sie bis westlich von Linz. Sie war Insekt des Jahres 2017.
Zum Nachdenken
Worauf wartest du gerade, und woran merkst du, ob das Warten dir noch nützt?