Everyday Omens

Käuzchen oder Eule am Haus

Ein Käuzchen, das nachts am Haus ruft, galt früher in Mecklenburg, Tirol und Baden als Todesbote. Heute weiß man, dass dahinter fast immer ein Waldkauz oder Steinkauz steckt, der sein Revier behauptet oder einen Partner sucht.

Was es bedeuten kann

Kaum ein Vogel hat im deutschsprachigen Volksglauben einen so schweren Ruf wie das Käuzchen. Namen wie „Totenvogel“ oder „Leichenvogel“ passen zu einer Zeit, in der man nachts an Krankenbetten wachte und jeder Laut vor dem Fenster Gewicht bekam. Wer heute so einen Ruf hört, kann ihn ohne Furcht als Anlass nehmen, an Menschen zu denken, die einem fehlen oder um die man sich sorgt. Die alten Deutungen erzählen mehr von den Ängsten ihrer Zeit als vom Vogel, und je nach Gegend hörte man im selben Ruf sogar etwas Fröhliches.

Je nachdem, wie du es erlebt hast

Der helle Ruf in der Nacht

Den Ruf des Steinkauzes hörten viele als Aufforderung: In Mecklenburg verstand man „Kumm mit, kumm mit“. So wurde aus einem Vogellaut ein Satz. Heute kann man ihm den Satz wieder wegnehmen. Es ist ein Ruf, mit dem Käuze einander antworten und ihr Revier hörbar machen.

Ein Kauz sitzt auf dem Dach

Setzte sich ein Kauz aufs Dach oder flog er ums Haus, sollte in Bretten in Baden jemand aus diesem Haus sterben. Käuze suchen sich aber gern erhöhte Plätze wie Giebel und Schornsteine, weil sie von dort Mäuse sehen und hören. Für sie ist das Dach ein Ansitz, kein Ort mit Botschaft.

Ein lachender Ton

Nicht jede Deutung war düster. Im damaligen Ostpreußen hieß es um 1900, ein gewisser lachender Ton der Eule verheiße eine Kindtaufe. Derselbe Vogel, ganz verschiedene Hoffnungen und Sorgen: Was man hört, hängt stark davon ab, was gerade im eigenen Haus geschieht.

Eulenrufe im Herbst und Spätwinter

Wer im Oktober oder im Februar besonders viele Rufe hört, täuscht sich nicht. Dann grenzen Waldkäuze ihre Reviere ab und werben um Partner. Das Gefühl, da wolle einem jemand etwas sagen, ist nachts verständlich. Es kann helfen, das Fenster zu öffnen und einfach zuzuhören, wie sich zwei Käuze antworten.

Hast du von einer Eule geträumt?Die Bedeutung im Traum, auf Night Symbols

Warum es in der Natur passiert

Mit „Käuzchen“ ist meist der Steinkauz oder der Waldkauz gemeint. Der Waldkauz lebt auch in Parks und Gärten mit alten Bäumen. Käuze sind nachtaktiv, jagen Mäuse und rufen besonders im Herbst und im Spätwinter, wenn sie Reviere und Partner suchen. Auf Dächern und Masten sitzen sie wegen der guten Sicht auf Beute.

Was der Volksglaube sagt

Mecklenburg, um 1880

Schreit nachts die Eule, das Käuzchen oder der „Leichenvogel“, so stirbt bald jemand. Der Ruf laute „Kumm mit, kumm mit“.

Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 124, Nr. 497. Seite ansehen

Tirol, um 1870

Das Käuzchen hieß in Tirol „Leich“ oder „Klage“; schrie es, sollte bald jemand sterben.

Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 83, Nr. 696. Seite ansehen

Bretten (Baden), 1892

Nachteule und Käuzchen galten als „Totenvogel“: Flog einer ums Haus oder setzte er sich darauf, sollte jemand aus dem Haus sterben.

Quelle: Fridrich Pfaff, Sagen und Aberglauben aus Bretten, Alemannia XIX (1892), S. 164, Nr. 16. Seite ansehen

damaliges Ostpreußen, um 1900

Ein gewisser lachender Ton der Eule konnte eine Kindtaufe verheißen.

Quelle: Adolf Wuttke, bearb. von Elard Hugo Meyer, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 3. Aufl. (1900), S. 202, § 274. Seite ansehen

Zum Nachdenken

An wen denkst du zuerst, wenn nachts draußen ein Laut die Stille unterbricht?