Mücken tanzen
Wenn die Mücken tanzen, gibt es schönes Wetter, hieß es 1864 in Tirol. Tanzten sie aber schon im Januar, sorgte man sich in der Steiermark und in Basel-Land um das Futter für das Vieh.
Was es bedeuten kann
Eine Säule aus winzigen Insekten, die im Abendlicht auf und ab steigt, wirkt fast wie ein Spiel. Die alten Regeln unterschieden genau, wann man sie sieht: Im Sommer galt der Tanz als freundlich, im tiefen Winter als verfrüht. Darin liegt ein Gedanke, der über das Wetter hinausreicht: Dasselbe Bild kann zur richtigen Zeit erfreuen und zur falschen beunruhigen. Manchmal hilft die Frage, ob etwas wirklich schlecht ist oder nur zu früh kommt. Ob ein Mückentanz als gut galt, entschied also weniger der Schwarm als der Kalender.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Tanz an einem Sommerabend
In Tirol galt 1864: Wenn die Mücken tanzen, gibt es schönes Wetter. Die Bauernregeln aus Basel-Land achteten zusätzlich auf die Höhe: Fliegen die Mücken hoch und halten einen Mückentanz, bleibt es schön.
Schwärme im Januar
„Tanzen im Jänner die Mucken, kann der Bauer nach Futter gucken“, sagte man 1896 in der Steiermark, fast gleichlautend 1908 in Basel-Land. Gemeint war, dass auf einen zu milden Januar ein langer, harter Nachwinter folgen könne.
Mücken im Februar
„Wenn sich im Februar die Schnaken zeigen, so müssen sie im Sommer schweigen“, lautete ein steirischer Spruch von 1897. Ein zu früher Auftritt galt also als schlechtes Zeichen für den Sommer.
Dicht am Boden
Fliegen die Mücken dagegen tief, zählte man das in Basel-Land 1908 zu den Regenboten, gleich neben tief fliegenden Schwalben.
Warum es in der Natur passiert
Bei den Wintermücken sind es die Männchen, die Tanzschwärme bilden, besonders an sonnigen Wintertagen und im zeitigen Frühling; aktiv werden sie schon knapp über 0 °C. Ihre Mundwerkzeuge sind zum Auflecken von Flüssigkeit gebaut, nicht zum Stechen. Ein Schwarm im Januar sagt deshalb vor allem etwas über die Sonne an diesem einen Tag.
Was der Volksglaube sagt
Tirol, 1864
Wenn die Mücken tanzen, gibt es schönes Wetter.
Quelle: Otto Freiherr von Reinsberg-Düringsfeld, Das Wetter im Sprichwort (1864), S. 58. Seite ansehen
Steiermark, 1896
„Tanzen im Jänner die Mucken, kann der Bauer nach Futter gucken“: Auf einen milden Januar folgt Futternot.
Quelle: Johann Krainz, Sitten, Bräuche und Meinungen des deutschen Volkes in Steiermark III, Zeitschrift für österreichische Volkskunde, Jg. 2 (1896), S. 306. Seite ansehen
Basel-Land, 1908
Tanzen im Januar die Mücken, muss der Bauer nach dem Futter schauen.
Quelle: A. Müller (Sammler), Aus dem Volksmund und Volksglauben des Kantons Basel-Land, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 12 (1908), S. 15, Nr. 1. Seite ansehen
Steiermark, 1897
Wenn sich im Februar die Schnaken zeigen, so müssen sie im Sommer schweigen.
Quelle: Franz Ilwof, Zur Volkskunde der Steiermark, Zeitschrift für österreichische Volkskunde, Jg. 3 (1897), S. 46. Seite ansehen
Basel-Land, 1908
Fliegen die Mücken hoch und halten einen Mückentanz, wird es schön; fliegen sie tief, kommt Regen.
Quelle: A. Müller (Sammler), Aus dem Volksmund und Volksglauben des Kantons Basel-Land, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 12 (1908), S. 19 und 21, Nr. 72 und 95. Seite ansehen
Zum Nachdenken
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