Ameisen im Haus
Schwarze Ameisen, die ins Haus kommen, zählte man am Horgerberg bei Zürich früher zu den Todesvorzeichen. In Mecklenburg las man aus Ameisen dagegen das Wetter: Blieben sie im Herbst oben im Bau, hieß das einen milden Winter.
Was es bedeuten kann
Wer Ameisen in der Küche entdeckt, sieht plötzlich, was sonst verborgen bleibt: wie schnell sich ein Tropfen Honig herumspricht, wenn viele mithelfen. Die alten Deutungen waren hier zweigeteilt. Am Zürichsee hielt man schwarze Ameisen in der Stube für ein schlechtes Vorzeichen, in Mecklenburg schaute man draußen in den Ameisenhaufen, um den Winter vorherzusagen. Die kleinen Tiere lehren nebenbei, wie vieles uns erst auffällt, wenn es sich häuft. Eine einzige, feste Bedeutung hatte die Ameise also nie.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Ameisen in der Küche
Die Schwarze Wegameise folgt Duftspuren, die Kundschafterinnen zu Zucker, Honig oder Krümeln gelegt haben. Wer die Spur feucht abwischt und offene Lebensmittel verschließt, unterbricht den Weg, und die Tiere suchen sich andere Ziele.
Schwarze Ameisen in Stube oder Bett
Unter den Vorboten eines Todesfalls verzeichnete man am Horgerberg bei Zürich: wenn schwarze Ameisen ins Haus kommen oder man solche im Bett findet. Heute deuten Ameisen im Schlafzimmer eher auf Krümel oder eine Ritze zum Garten.
Ein Ameisenhaufen im Herbst
In Mecklenburg hieß es: Sind die Ameisen im Herbst oben im Bau, wird der Winter mild, liegen sie tief, wird er kalt. Ameisen ziehen sich bei Kälte in tiefere Kammern zurück; mehr als das gegenwärtige Wetter verraten sie damit aber nicht.
Warum es in der Natur passiert
In Häusern begegnet man am häufigsten der Schwarzen Wegameise. Sie lebt im Garten, unter Platten oder in Mauerritzen und schickt Kundschafterinnen auf Nahrungssuche. Finden diese etwas Süßes, markieren sie den Weg mit Duftstoffen, dem dann viele Arbeiterinnen folgen.
Was der Volksglaube sagt
Horgerberg (Zürich), 1898
Unter den Todesvorzeichen: wenn schwarze Ameisen ins Haus kommen oder man solche im Bett findet.
Quelle: Paul Hirzel (Sammler), Aberglauben im Kanton Zürich, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 2 (1898), S. 217, Nr. 26. Seite ansehen
Mecklenburg, um 1880
Sind die Ameisen im Herbst oben im Bau, wird der Winter mild, liegen sie tief, wird er kalt.
Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 206. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Was fällt dir in deinem Alltag erst auf, wenn es sich häuft?