Barbarazweige
Am Barbaratag, dem 4. Dezember, holt man Zweige ins Haus und stellt sie ins Wasser, damit sie zu Weihnachten blühen. In Nordtirol hieß es um 1870, ein Kirschzweig von diesem Tag öffne seine Blüten in der Christnacht.
Was es bedeuten kann
Wer am 4. Dezember kahle Zweige ins Haus holt, setzt auf etwas, das man noch nicht sieht. Gut zwei Wochen lang passiert scheinbar wenig, und dann öffnen sich mitten im Winter die ersten Knospen. Der Brauch passt zu Zeiten, in denen sich ein Vorhaben langsam entwickelt und Geduld verlangt, bevor es sich zeigt. Was die Blüten verheißen, wird in Regionen und Familien verschieden erzählt, und für gläubige Menschen gehört dazu das Gedenken an die heilige Barbara.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Der Zweig blüht an Heiligabend
In Nordtirol galt um 1870: Bricht man am Barbaratag einen Zweig vom Kirschbaum und stellt ihn ins Wasser, blüht er in der Christnacht. Wer heute Barbarazweige schneidet, freut sich über einen Blütenstrauß mitten im Advent.
Die Knospen bleiben zu
Damit die Knospen aufgehen, brauchen die Zweige einen kräftigen Kältereiz. Hat es bis Anfang Dezember nicht gefroren, empfiehlt ÖKO-TEST, sie eine Nacht in die Gefriertruhe zu legen und die Vase zunächst kühl und fern der Heizung zu stellen.
Andere Zweige
Nicht nur Kirsche eignet sich: Je nach Gegend nimmt man Apfel, Birke, Hasel, Pflaume, Weide, Rotdorn oder Forsythie. Mancherorts stellte man ganze Barbarabäume auf; der Markgraf von Bayreuth verbot das im 18. Jahrhundert, weil dabei Obstbäume geplündert wurden.
Die Legende
Nach der Legende verfing sich das Gewand der heiligen Barbara auf dem Weg ins Gefängnis an einem Zweig. Sie stellte ihn ins Wasser, und er blühte an dem Tag, an dem sie als Märtyrerin starb. In Tirol verehrte man sie besonders als Beschützerin vor einem jähen Tod.
Warum es in der Natur passiert
Kirschen und andere Frühjahrsblüher legen ihre Blütenknospen schon im Herbst an. Nach einer Kälteperiode genügt die Wärme im Zimmer, damit die Knospen schwellen und sich nach etwa drei Wochen öffnen. Draußen geschieht dasselbe erst im Frühling, wenn es dauerhaft wärmer wird.
Was der Volksglaube sagt
Nordtirol, um 1870
Bricht man am Barbaratag einen Zweig von einem Kirschbaum und stellt ihn ins Wasser, blüht er in der Christnacht.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 180, Nr. 1501. Seite ansehen
Tirol, um 1870
Die heilige Barbara wird als Beschützerin vor jähem Tod verehrt.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 180, Nr. 1499. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Woran arbeitest du gerade, das noch kahl aussieht, aber im Stillen schon wächst?