Everyday Omens

Siebenschläfertag

Regnet es am Siebenschläfertag, dem 27. Juni, soll es sieben Wochen lang regnen: So kannte man die Regel um 1860 überall im Obererzgebirge. Seit der Kalenderreform passt sie eher auf die erste Juliwoche.

Was es bedeuten kann

An der Siebenschläferregel lässt sich beobachten, wie Wissen weiterwandert: Die Erfahrung dahinter traf oft zu, das Datum verschob sich mit der Kalenderreform um gut eine Woche, und trotzdem blieb der 27. Juni im Gedächtnis. Vielleicht gibt es auch in deinem Leben Gewohnheiten, deren Kern noch trägt, während die Begründung längst eine andere geworden ist. Es lohnt sich, beides auseinanderzuhalten. Das Erzgebirge rechnete um 1860 mit sieben Regenwochen, Mecklenburg um 1880 nur mit einer Regenwoche, und Meteorologie und Bauernkalender lesen die Regel bis heute nicht gleich.

Je nachdem, wie du es erlebt hast

Regen am 27. Juni

Im Obererzgebirge galt um 1860 allgemein: Regnet es am Siebenschläfer, regnet es sieben Wochen lang. Ein einzelner Regentag entscheidet aber wenig; es kommt darauf an, ob sich um diese Zeit eine Wetterlage festsetzt.

Eine Woche später hinschauen

Der Gedenktag der Sieben Schläfer von Ephesus fällt auf den 27. Juni. Nach der gregorianischen Kalenderreform rückte der Zeitraum, um den es bei der Regel eigentlich geht, in die erste Juliwoche. Wer sie prüfen will, schaut deshalb eher auf die Tage um den 7. Juli.

Sieben Tage statt sieben Wochen

In Hohenschwarfs in Mecklenburg rechnete man um 1880 bescheidener: Regnet es am Siebenschläfertag, regnet es sieben Tage lang. Für den Norden mit seinem wechselhaften Seeklima trifft die lange Fassung tatsächlich seltener zu.

Bis sieben Uhr im Bett

In Zwickau nahm man den Namen wörtlich: Wer an diesem Tag bis sieben Uhr schläft, tut es das ganze Jahr hindurch. Der Name kommt allerdings nicht vom Tier, sondern von der Legende der sieben jungen Männer, die in einer Höhle bei Ephesus schliefen.

Warum es in der Natur passiert

Ende Juni und Anfang Juli stabilisiert sich die Lage des Jetstreams über Europa häufig, und eine Großwetterlage kann sich dann für Wochen halten. Für Süddeutschland traf die Regel in der ersten Juliwoche in 60 bis 70 Prozent der Jahre zu. Im Norden, wo das Meer das Klima stärker prägt, gilt sie deutlich seltener.

Was der Volksglaube sagt

Obererzgebirge, 1862

Regnet es am Siebenschläfer, dem 27. Juni, so regnet es sieben Wochen lang.

Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 70, Nr. 752. Seite ansehen

Hohenschwarfs (Mecklenburg), um 1880

Regnet es am Siebenschläfertag, dem 27. Juni, regnet es sieben Tage lang.

Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 293, Nr. 1459. Seite ansehen

Zwickau, 1862

Wer am Siebenschläfer bis sieben Uhr schläft, tut es das ganze Jahr hindurch.

Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 15, Nr. 156. Seite ansehen

Zum Nachdenken

Welche Gewohnheit behältst du bei, obwohl sich ihr ursprünglicher Grund längst verschoben hat?